Sommerinterview : Potenzial für Fernzüge nach Polen

Infrastrukturministerin Kathrin Schneider
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Infrastrukturministerin Kathrin Schneider

Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) im Sommerinterview zum Bundesverkehrswegeplan und Zugverkehr.

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13. August 2016, 04:45 Uhr

Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) ärgert sich über den Bundesverkehrswegeplan und das Fehlen wichtiger Projekte des Landes Brandenburg. Im Sommerinterview mit Benjamin Lassiwe verrät sie, warum sie trotzdem noch auf den zweigleisigen Ausbau der Görlitzer Bahn hofft.

Ministerin Schneider, der Bundesverkehrswegeplan liegt jetzt in der geänderten Fassung vor. Sind Sie zufrieden?
Kathrin Schneider: Ich bin zufrieden, was den Straßenbau betrifft. Die meisten unserer Projekte sind wirklich im Plan enthalten: Da ist zum Beispiel die A12 vom weiteren Bedarf in den weiteren Bedarf mit Planungsrecht aufgerückt. Und die Ortsumgehung Groß Oßnig ist neu in den Plan aufgenommen worden.

Und wie sieht es bei den Schienenstrecken aus?

Da sind wir gar nicht zufrieden. Da hat der Bund seine Hausaufgaben noch nicht gemacht. Gut ist: Die Elektrifizierung der Strecke Berlin-Stettin ist jetzt ein vordringlicher Bedarf, das ist ein wichtiger Schritt. Aber uns fehlt eine klare Aussage zur Zweigleisigkeit zwischen Lübbenau und Cottbus.

Wann könnte denn die Elektrifizierung nach Stettin abgeschlossen sein?
Um es deutlich zu sagen: Wir wollen die Elektrifizierung und den zweigleisigen Ausbau der Strecke nach Stettin. Das fehlt im jetzigen Entwurf des Bundes. Die Bahn sagt immer wieder, dass sie im Zeitplan sei. Das bedeutet: Umsetzung bis 2020.

Wie geht es mit der Strecke von Lübbenau nach Cottbus weiter?
Das ist die Görlitzer Bahn – da gehört für mich die Zweigleisigkeit ebenso dazu, wie der Umbau des Bahnhofs Königs Wusterhausen und letztlich auch die Elektrifizierung von Cottbus nach Görlitz. Wir haben mit der Bahn für die Zweigleisigkeit zwischen Lübbenau und Cottbus ja die Planungsvereinbarung abgeschlossen. Ich bin überzeugt davon, dass das der richtige Schritt war. Denn wir brauchen für die Strecke Planungsrecht. Wenn man sich immer nur darüber streitet, ob man das jetzt angeht oder nicht, werden die Jahre weiter vergehen, und nichts passiert. Wir sind auch dabei, über die Elektrifizierung Cottbus-Görlitz zu reden. Da sind wir mit unseren sächsischen Kollegen im Gespräch, um auch dort die Planung einfach mal anzuschieben. Ich hoffe, dass es uns gelingt, diese Strecke aus dem potenziellen Bedarf in den vordringlichen Bedarf aufrücken lassen.

Potenzieller Bedarf heißt aber auch, dass sich vorläufig nichts tun wird?
Der Bund argumentiert, dass die Strecke ein potenzieller Bedarf ist, weil die Bewertung noch nicht abgeschlossen ist. Wir mühen uns, die Grundlagen für die Bewertung zu verbessern – Argumente einzubringen, warum die Strecke in den vordringlichen Bedarf gehört.

Sehen Sie denn eine Chance, in den nächsten Jahren Mittel für den Streckenausbau zu bekommen?
Wenn ich keine Chance sehen würde, würde ich mich hier nicht engagieren. Die nächste Aufgabe ist es, jetzt das parlamentarische Verfahren auf der Bundesebene zu begleiten, und die Planungsstände voranzubringen.

Früher fuhr auf der Strecke ja der EC Wawel, jetzt gibt es immerhin den Kulturzug in die europäische Kulturhauptstadt Breslau. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Das ist sehr erfreulich. Der Kulturzug ist weitaus besser eingeschlagen, als es alle gedacht haben. Die Bahn ging ja von der Zahl der Fahrgäste des alten Wawel aus, und wollte ursprünglich mit einem einzelnen Triebwagen der Baureihe 628 fahren, der 140 Fahrgäste fasst. Man dachte, er könnte vielleicht zu einem Drittel besetzt sein. Heute bestehen manche Fahrten aus drei dieser Triebwagen, die aneinander gekuppelt sind – mehr ist technisch nicht möglich. Und diese Triebwagen sind komplett ausgebucht, und zusätzlich werden noch Busse eingesetzt.

Das heißt, Fernverkehr auf dieser Strecke würde sich lohnen.
Wir sehen das so. Der Kulturzug ist ein gutes Signal für eine Fernverkehrsverbindung auf dieser Strecke. Darüber wollen wir mit der Bahn reden. Denn mit diesem Erfolg hat ja niemand gerechnet.
Fernverkehr bedeutet aber auch: Die Bahn muss das eigenwirtschaftlich, ohne Zuschüsse schaffen.
Jedes neue Projekt gerade im grenzüberschreitenden Verkehr braucht eine gewisse Anlaufphase. Das Angebot muss bekannt gemacht werden, muss sich bewähren. Deshalb denke ich, dass der Zug noch nicht eigenwirtschaftlich fahrbar ist. Jedenfalls nicht sofort. Hier muss der Bund eine Anschubfinanzierung leisten, für eine Anlaufphase, die defizitär ist.

Ein Problem ist weiterhin der RE2, der gerade im Abschnitt zwischen Berlin und Königs Wusterhausen völlig überfüllt ist.
Erstmal muss man doch feststellen, dass der RE2 wie auch beispielsweise der RE1 ein voller Erfolg ist. Der Zug wird sehr gut angenommen, darüber sind wir sehr froh. Aber natürlich sind uns die Engpässe bekannt. Deshalb überprüfen wir derzeit auf allen Verbindungen, wie sich die Kapazitäten im Regionalverkehr entwickeln. Danach werden wir entscheiden, welche Handlungsmöglichkeiten wir haben.

Trotzdem – ist es eine clevere Idee, in so einem Zug dann eine Kampagne für noch mehr Fahrräder im RE zu fahren und dafür Sitzplätze zu blockieren?
Wir versuchen, den Bedarf des zunehmenden Radverkehrs und die Möglichkeiten in den Zügen etwas besser aufeinander abzustimmen. Deswegen war die Idee, in einigen Abteilen die Sitze auszubauen, damit da einfach mehr Räder reinpassen. Denn die Räder sind einfach mal da, und wir versuchen halt sie besser im Zug unterzubringen. Gleichzeitig werben wir für die Nutzung von Ausleihstationen.
Danke für das Gespräch

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