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Brandenburg

18. Dezember 2017 | 23:32 Uhr

Post an den Ministerpräsidenten

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Michael Volta leitet Bürgerbüro der Staatskanzlei / Brandenburger kommen persönlich oder schreiben Briefe und E-Mails

svz.de von
erstellt am 17.Feb.2016 | 14:30 Uhr

Das Telefon klingelt während des Gesprächs kein einziges Mal. „Untypisch“, sagt Michael Volta mit Blick auf den schwarzen Apparat auf seinem Schreibtisch. In Voltas Berufsalltag vergeht normalerweise kaum eine Stunde, in der niemand mit ihm sprechen möchte. Dabei richten sich die Anrufe nicht einmal an ihn, sondern an den Ministerpräsidenten.

Wer Dietmar Woidke anrufen möchte, etwa weil er ihn etwas fragen, bitten oder etwas kritisieren will, landet zunächst in dessen Sekretariat. Von dort wird er in der Regel an Michael Volta weitergeleitet – wenn der Anrufer nicht sowieso schon die Nummer des Bürgertelefons gewählt hat. Volta ist die Schnittstelle zwischen Brandenburgern und Ministerpräsident: Seit drei Jahren leitet er das Bürgerbüro der Staatskanzlei.

In einem großzügigen Raum mit Blick auf die Potsdamer Heinrich-Mann-Allee nimmt der 44-Jährige nicht nur die Anrufe von Bürgern entgegen. Täglich landen Briefe auf seinem hellen Holzschreibtisch, fluten E-Mails sein Postfach, und manchmal klopft es auch an seiner Tür im Erdgeschoss der Staatskanzlei.

Brandenburger, die ihr Anliegen persönlich vortragen wollen, platziert Michael Volta an einem kleinen Tisch gleich hinter der Tür. Vier Stühle stehen an ihm, eine Glasschale mit drei verschiedenen Keks-Sorten steht bereit. „Dass Bürger sogar persönlich vorbeikommen“, sagt Volta, „zeigt, dass ihnen ihr Anliegen subjektiv sehr ernst ist.“

Im Gespräch muss Volta vermitteln, erklären und andere Lösungen aufzeigen – ohne zu enttäuschen oder vor den Kopf zu stoßen. Das ist häufig eine Herausforderung und grenzt auch schon mal an Seelsorge, weshalb Volta mit Fachwissen zur Landespolitik allein nicht weit kommt. „Ich bin studierter Theologe und ordinierter Pfarrer“, erzählt er. Für die Arbeit im Bürgerbüro habe sich diese Ausbildung bewährt.

Eingerichtet wurde das Bürgerbüro 1990 von Manfred Stolpe. Damals kam die Post wäschekörbeweise. Die Verunsicherung vieler Menschen war in den Nachwendejahren groß, das Bürgerbüro sollte Orientierung bieten, die Arbeit des Ministeriums und die neue Rechtsordnung erklären. Dieser Anspruch besteht noch heute.

Antworten formuliert Volta so konkret wie möglich. Fällt eine Bürgeranfrage in die Zuständigkeit einer bestimmten Behörde, wird sie weitergeleitet. Hat Volta den Eindruck, dass bei Entscheidungen von Behörden die Perspektive des Bürgers nicht ausreichend beachtet wurde, fragt er nach.

Rund 2000 E-Mails und Briefe und ebenso viele Anrufe gingen im vergangenen Jahr ein. Seit dem Sommer nahmen mit der steigenden Zahl von Flüchtlingen die Fragen und Meinungsäußerungen stark zu – Volta bekommt dann Unterstützung von zwei Kolleginnen. Und der Tenor ist kritischer geworden. „Beim Thema Flüchtlinge wird greifbar, was das, was auf bundespolitischer Ebene beschlossen wird, für die Menschen im Land bedeutet“, sagt Volta. Das Bürgerbüro habe auch eine Sensorfunktion: Die Stimmung im Land bekommt man hier mit.

Und nicht nur die. Auch die Vorstellung, die sich die Menschen von der Macht des Ministerpräsidenten machen, lässt sich am Inhalt ihrer Briefe ablesen. Der Ministerpräsident soll Gerichtsurteile kassieren – dabei herrscht Gewaltenteilung. Er soll sich um die Schlaglochausbesserung in der und der Straße kümmern oder Einfluss auf das Rentengesetz nehmen – dabei sind das kommunale und bundespolitische Angelegenheiten. „Es ist manchen Menschen nicht klar, wie ein demokratisches Gemeinwesen aufgebaut ist“, sagt Volta und nimmt die Brandenburger schnell in Schutz: „Das kann man ihnen nicht vorwerfen, das Verwaltungswesen ist sehr komplex“.

Einen Teil der Briefe liest auch Dietmar Woidke. Wäre der Ministerpräsident ein Popstar, hätte er einige ganz besonders hartnäckige Fans, mit denen das Bürgerbüro fertig werden muss. Das sind nicht nur Dauerschreiber, sondern auch Jubilare, die Einladungen verschicken, und Autogrammjäger.

Egal ob es Wut, Bewunderung oder der Glaube an eine bestimmte Sache ist, der die Absender umtreibt. Die Inschrift über dem Portal der Staatskanzlei „Die Staatsgewalt geht vom Volke aus“ füllt sich nach dem Besuch des Bürgerbüros mit Leben.

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