Polizeizugriff schlägt Wellen : Polizeizugriff schlägt hohe Wellen

Die Beamten des Sonderkommandos der Berliner Polizei waren getarnt unterwegs.
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Die Beamten des Sonderkommandos der Berliner Polizei waren getarnt unterwegs.

Getarnt agierende Sonderkommandos der Berliner Polizei sollen unschuldige Ingenieure krankenhausreif geschlagen haben.

svz.de von
19. Dezember 2013, 12:09 Uhr

Zwei mutmaßlich unschuldige Männer aus Polen sind bei einem Einsatz eines getarnt agierenden Sonderkommandos der Berliner Polizei krankenhausreif geschlagen worden. Die Polizei spricht von einem Fluchtversuch, die Opfer vermuteten dagegen selbst einen Überfall.

Zu dem Vorfall, der in den Medien des Nachbarlandes hohe Wellen schlägt, kam es bereits in der Nacht zum vergangenen Freitag auf der Autobahn-Raststätte „Am Fichtenplan“ am südlichen Berliner Ring nahe Rangsdorf (Teltow-Fläming). Ein laut dem Berliner Polizeisprecher Stefan Redlich etwa 20-köpfiges Sonderaufgebot war dort zwei polnischen Fahrzeugen auf der Spur, deren Insassen wegen des Verdachts auf Handel mit Falschgeld observiert wurden.

Auf der Raststätte sei es dann zu einem Kontakt mit einem dritten polnischen Fahrzeug gekommen. „Dort sah es für meine Kollegen so aus, als würden sich alle Personen kennen“, so Redlich. Als dann vor der Ausfahrt alle drei Fahrzeuge kontrolliert werden sollten, habe der dritte Wagen versucht, sich den Weg frei zu bahnen und dabei eines der zivilen Fahrzeuge gerammt. Als die Insassen sich trotz „Polizei“-Rufen der Beamten wehrten, wandten mindestens zwei Beamte „einfache körperliche Gewalt an“, so der Sprecher.

Den beiden Polen wurden dabei so schwere Verletzungen zugefügt, dass man sie noch in der Nacht in ein Krankenhaus bringen musste. Wie sich herausstellte, handelte es sich um die Mitarbeiter einer auf Verpackungsmaschinen spezialisierten Firma, die gerade eine neue Anlage in der Nähe von Stuttgart installiert hatten und sich auf dem Rückweg befanden. Auf dem Rastplatz seien sie von den anderen Polen gefragt worden, ob sie einen Mann mit über die Grenze nehmen könnten, erklärten sie später. Die zivil gekleideten Polizisten habe man für Kriminelle gehalten.

„Wir sind über diesen Vorfall schockiert“, sagte die Leiterin der in Gniezno (Gnesen) ansässigen Firma, Agnieszka Libner, gestern dieser Zeitung. Ein Mitarbeiter habe die Kollegen am Freitag nach Hause geholt, wo sie erneut ins Krankenhaus mussten. „Einer der beiden hat schwere Prellungen an Kopf und Körper, leidet aber auch unter den psychischen Folgen“, berichtete seine Chefin. Wegen der Klärung habe man sich an das polnische Generalkonsulat in Berlin gewandt, aber auch eine Anzeige gegen die deutschen Polizisten gestellt. Auch werde man Entschädigungen fordern.

„Unsere Mitarbeiter sind mit der Polizei in Kontakt“, sagte der Sprecher der polnischen Botschaft, Jacek Biegala. Der Leiter des Landeskriminalamtes habe die Aufklärung des Vorfalls zugesagt. Dass derzeit alle beteiligten Beamten befragt würden, erklärte auch der Polizeisprecher. Von den Insassen der weiteren Fahrzeuge sei ein Mann verhaftet worden. Zum Umfang der vermuteten Geldfälschung wollte sich der Sprecher nicht äußern.

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