Probelauf in Potsdam : Polizei startet Test von Bodycams

Diese kleinen Kameras  auf der Schulter sollen Gewalttäter abschrecken.
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Diese kleinen Kameras auf der Schulter sollen Gewalttäter abschrecken.

In der Polizeiinspektion der Landeshauptstadt werden die ersten Körperkameras für Beamte eingesetzt. Sie sollen Gewalttäter abschrecken.

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13. August 2016, 04:45 Uhr

Nach dem Anstieg von Angriffen auf Polizisten führen immer mehr Bundesländer Körperkameras ein, um die Beamten im Einsatz besser zu schützen. Auch in Brandenburg wird die neue Technik nun in einem Pilotprojekt getestet.

In Hessen ist man voll des Lobes: „Die Bodycam schreckt potenzielle Aggressoren ab und trägt zu einer Deeskalation von Kontrollmaßnahmen bei“, sagt Innenminister Peter Beuth (CDU). Selbst gruppendynamische Prozesse und Alkoholeinfluss würden den präventiven Effekt der Bodycam kaum einschränken, zeigt sich der Minister überzeugt. Nach einer Testphase ist die Polizei in Hessen nun schon seit einigen Monaten flächendeckend mit der neuen Technik ausgestattet. 72 sogenannte Bodycams (Körperkameras) sind seit Ende vergangenen Jahres im Einsatz.

Auch Brandenburg hat ein Pilotprojekt gestartet, um den Nutzen der modernen Technik zu testen. Dabei hatte das hiesige Innenministerium zunächst gar keine Notwendigkeit gesehen, Bodycams einzuführen, und darauf verwiesen, dass sich die positiven Erkenntnisse aus Pilotprojekten anderer Bundesländer nicht auf die Mark übertragen ließen. Nun stellt man sich hierzulande aber offenbar doch die Frage, ob die etwa fingerlangen, gut sichtbar auf der Schulter befestigten Geräte potenzielle Angreifer von Gewalttaten abbringen, weil sie sehen, dass sie gefilmt werden.

Seit einiger Zeit schon nimmt die Gewalt gegen Polizisten im Dienst deutlich zu – in Brandenburg ebenso wie in anderen Teilen der Republik. Deutschlandweit sind allein 2015 rund 62 000 Beamte im Dienst angegriffen worden – deutlich mehr als 2014, als die Gewerkschaft der Polizei (GdP) 55 738 Angriffe zählte.

In Brandenburg waren erst Anfang des Jahres Stimmen nach einem besseren Schutz der Beamten laut geworden. Damals waren mehrere Brandenburger Polizisten in Potsdam verletzt worden, nachdem sie zwischen die Fronten von protestierenden „Pegida“-Anhängern und gewaltbereiten Gegendemonstranten geraten waren. GdP-Landeschef Andreas Schuster verurteilte die schwersten Ausschreitungen seit Jahren in der Landeshauptstadt scharf: „Es war zum großen Teil nur noch dumpfe Gewalt gegen Andersdenkende und gegen die Polizei“, bilanzierte er.

Mitte Juli hat Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) Brandenburgs Polizeipräsidium gebeten, eine Testphase zum Einsatz von Körperkameras zu organisieren und das Pilotvorhaben in der Polizeiinspektion Potsdam durchzuführen. Ergebnisse liegen bisher nicht vor.

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