Brandenburg/Holland : Polizei spürt entführtes Baby in den Niederlanden auf

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Als die Beziehung scheitert, eskaliert die Situation. Dann verschwindet das gemeinsame Kind. Bis jetzt.

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16. Januar 2018, 16:00 Uhr

Brandenburgs Polizei hat ein am 31. Dezember in Gransee (Oberhavel) entführtes Baby in den Niederlanden aufgespürt. Holländische Polizisten hätten die zehn Monate alte Yasmina am Sonntag in Herwijen unversehrt in Obhut genommen, sagte gestern der Sprecher der Polizeidirektion Nord, Toralf Reinhardt. Der 39-jährige Vater wurde in Rheinland-Pfalz festgenommen. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt gegen ihn wegen Geiselnahme.

Der Mann wird laut dem Leitenden Oberstaatsanwalt Wilfried Lehmann verdächtigt, das Kind der Mutter entzogen zu haben, um sie zu zwingen, wieder zu ihm zurückzukehren. Damit und mit dem langen Zeitraum des Versteckens wäre der Tatbestand der Entführung voll erfüllt. Dafür sieht das Gesetz fünf bis 15 Jahre Haft vor.

Laut dem Chef der Polizeidirektion Nord, Frank Storch, handelt es sich um eine der größten Fahndungen in der Geschichte der Polizeidirektion. „Zu Spitzenzeiten waren 120 Polizisten im Einsatz, um das Kind zu finden“, sagte er. Obenan stand die Gefahrenabwehr – also das Kind wohlbehalten wiederzufinden. „Das ist uns nun gelungen“, so Storch.

Yasmina B. war von ihrer in Gransee lebenden, 18-jährigen Mutter dem leiblichen Vater „für einen Ausflug“ mitgegeben worden. Zur vereinbarten Rückgabe erschien er aber nicht. Die Polizei ermittelte bis nach Rheinland-Pfalz. Dort lebt der Vater in Remagen.

Am vergangenen Wochenende gab es den Hinweis, dass das Kind bei der  Schwester des Mannes in den Niederlanden sein könnte. Die dortige Polizei durchsuchte die Wohnung von Yasminas Tante und fand das Mädchen. Es wurde  vom Jugendamt dort in Obhut genommen. Bei der Rückkehr werde das Kind wohl nicht der Mutter übergeben. „Das Jugendamt Oranienburg will das Sorgerecht beantragen“, sagte Stabsstellenleiter der Polizei, Steven Bahl.

Yasminas Eltern – er Syrer, sie aus Russland – hatten  sich bei der Ankunft in Deutschland 2015 in einem Erstaufnahmelager kennengelernt und nach islamischem Recht geheiratet. Die Ehe ist aber nicht standesamtlich eingetragen, zumal die Mutter bei der Hochzeit  und  bei Yasminas Geburt  minderjährig war.

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