Platzeck neuer Schirmherr für „Familien in Not“

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Die Stiftung des Landes unterstützt Bedürftige / Spender gesucht

svz.de von
04. Dezember 2013, 00:36 Uhr

Matthias Platzeck ist zurück. 100 Tage nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident gab der SPD-Politiker in Potsdam wieder eine Pressekonferenz. Doch es ging nicht um aktuelle, tagespolitische Angelegenheiten seines uckermärkischen Wahlkreises: Als „Elder Statesman“, als graue Eminenz der märkischen Politik hat der Landtagsabgeordnete vielmehr die Schirmherrschaft über die Brandenburger Landesstiftung „Hilfe für Familien in Not“ übernommen – und tritt damit in die Fußstapfen der unvergessenen Sozialministerin Regine Hildebrandt, die 1992 die Stiftung gegründet hatte. „Kinder, vergesst niemals, der Sinn des Lebens ist im Miteinander“, zitierte Platzeck vor Journalisten in Potsdam die früh an Krebs verstorbene Politikerin.

Seit ihrer Gründung hat die Stiftung rund 2,8 Millionen Euro an 3500 bedürftige Familien ausgeschüttet, um etwa Obdachlosigkeit zu vermeiden oder Möbel, Kleider oder Haushaltsgeräte anzuschaffen. Zu den Empfängern der Hilfe zählt etwa eine Familie aus Senftenberg, deren Tochter nach vier Tagen verstarb. Weil das Einkommen der Eltern um 50 Euro über der entsprechenden Bemessungsgrenze lag, übernahm das Sozialamt die anfallenden Bestattungskosten nicht. Die Stiftung finanzierte daraufhin das Kindergrab. Ebenfalls von der Stiftung finanziert wurden etwa Kosten für Therapien behinderter Kinder oder die Umzugskosten für eine Familie, die plötzlich Drillinge bekam und eine größere Wohnung benötigte. „Wenn Familien nach Trennungen oder Unfällen in eine scheinbar ausweglose Situation geraten, kann so eine Stiftung sehr segensreich sein“, sagte Platzeck.

Auf die Frage, wie denn der uckermärkische Abgeordnete die Stiftung künftig unterstützen wolle, verwies er auf einen von seiner Fraktion geplanten Empfang zu seinem 60. Geburtstag. Statt Geschenken wolle er dort um Spenden bitten. Wie die Stiftungsratsvorsitzende Ute Tenkhof erklärte, leide die Stiftung, deren Vermögen derzeit 4,5 Millionen Euro betrage, unter geringen Zinseinnahmen. „Um unsere Aufgaben erfüllen zu können, sind wir auf Extra-Spenden angewiesen“, sagte die Stiftungsratsvorsitzende Ute Tenkhof. 2013 habe man bislang rund 112 000 Euro an Spenden und Bußgeldern eingenommen, davon wurden 96 000 Euro bereits ausgegeben. Durchschnittlich wird jede Familie, die sich an die Stiftung wendet, mit 500 Euro unterstützt. Dabei unterstütze die Stiftung derzeit vor allem Menschen aus der Potsdamer Umgebung. In entfernteren Regionen wie der Prignitz oder der Uckermark sei ihre Existenz kaum bekannt, bedauerte Platzeck.

Weswegen die Stiftung neben dem Schirmherrn nun auch Botschafter berief. So soll die Potsdamer Fußball-Nationalspielerin Tabea Kemme künftig dabei helfen, den Bekanntheitsgrad der Stiftung zu verbessern. „Ich habe selbst nie Armut erlebt“, sagte die Sportlerin gestern. Sie wolle nun überlegen, ob sie zusammen mit Teamkameradinnen bedürftige Kinder zum Fußballspielen einlade. „Oft macht es Kindern schon eine Freude, wenn man ihnen einfach einen Ball zuwirft und mit ihnen kickt.“

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