Brandenburg : Platzeck: Aufsichtsrat statt Landtag

Matthias Platzeck räumt das politische Spielfeld: „Ich möchte im Landtag nicht wie ein alter Uhu auf der Stange sitzen“, erklärt er.
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Matthias Platzeck räumt das politische Spielfeld: „Ich möchte im Landtag nicht wie ein alter Uhu auf der Stange sitzen“, erklärt er.

Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident kandidiert nicht wieder in der Uckermark: Künftig will er sich auf seine Stiftungsarbeit konzentrieren.

svz.de von
10. Dezember 2013, 20:36 Uhr

Matthias Platzeck zieht sich aus der Politik zurück. Obwohl er schon im August als SPD-Direktkandidat für den Wahlkreis Uckermark I nominiert worden war, wird er 2014 nicht mehr für den Landtag kandidieren, erklärte der ehemalige Ministerpräsident gestern in Potsdam. „Ich habe in den letzten Monaten gemerkt, dass es besser ist, das Spielfeld freizumachen“, sagte Platzeck. Er sei von 2002 bis 2013 Ministerpräsident gewesen, da könne er nun nicht unbefangen Abgeordneter sein. „Ich möchte im Landtag nicht wie ein alter Uhu auf der Stange sitzen“, erklärt er. „Es hat alles seine Zeit, und die Zeit als Abgeordneter geht jetzt zu Ende.“ Zugleich kündigte der ehemalige Ministerpräsident an, sich künftig im Aufsichtsrat des zur Diakonie gehörenden Oberlinhauses, als Schirmherr der Brandenburger Stiftung „Familien in Not“ sowie in der Osteuropa-Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung engagieren zu wollen.

In der Brandenburger Landespolitik wurde die Entscheidung Platzecks zum Rückzug mit Respekt zur Kenntnis genommen. „Wir können seine Gründe für den Mandatsverzicht gut nachvollziehen“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Ness nach der wöchentlichen Fraktionssitzung der Sozialdemokraten. Im Wahlkreis Uckermark wird die SPD nun eine neue Aufstellungsversammlung durchführen und einen neuen Kandidaten nominieren. „Es war der konsequente nächste Schritt“, erklärte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Axel Vogel. Er sei überrascht gewesen, dass Platzeck nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident davon ausging, ein Landtagsmandat mit 40 Arbeitsstunden wahrnehmen zu können. „Ich habe Respekt davor, dass er nun einen klaren Schnitt macht.“ Auch der Templiner FDP-Fraktionsvorsitzende Andreas Büttner sprach von einem „richtigen Schritt“, der an dieser Stelle erforderlich gewesen sei. Der CDU-Spitzenkandidat Michael Schierack sprach von einer „erwartbaren Entscheidung“, die er respektiere. Platzeck scheine sich unmittelbar nach seinem Rücktritt nicht darüber im Klaren gewesen zu sein, mit wie viel Arbeit das Mandat eines einfachen Landtagsabgeordneten verbunden sei.

Die Arbeit eines Aufsichtsrates indes wird Platzeck auch nach seinem Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft begleiten. Der Theologische Vorstand des Potsdamer Oberlinhauses, Pfarrer Matthias Fichtmüller, bestätigte gegenüber dem Prignitzer gestern, dass sich Platzeck bereit erklärt habe, für den Aufsichtsrat des Oberlinhauses zu kandidieren. Doch die Diakonie-Einrichtung, die mit 1800 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 98 Millionen Euro erwirtschaftet, dürfte am Ende um einiges pflegeleichter sein, als der Pannenflughafen in Berlin.

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