zur Navigation springen

Landeshauptarchiv Potsdam-Golm : Platz für nächste Generation

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Landeshauptarchiv nimmt endgültiges Domizil für Akten, Urkunden und Grundbücher in Besitz

svz.de von
erstellt am 05.Apr.2016 | 08:00 Uhr

Das Landeshauptarchiv in Potsdam-Golm nimmt in dieser Woche offiziell die letzten Teile seines endgültigen Domizils in Gebrauch. Damit nimmt eine von vielen Notlösungen geprägte Odyssee durch verschiedene Gebäude ein spätes, aber gutes Ende.

„Der Platz reicht erst einmal – mindestens für die nächste Generation der Archivare“, sagt Klaus Neitmann, Direktor des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Der Chef über Aktenkartons in einer Gesamtlänge von mehr als 52 Kilometern schwärmt. Bessere Bedingungen seien kaum vorstellbar, sagt er. Da scheint auch etwas die Erleichterung nach jahrelanger Standortsuche und nicht immer glücklichen Zwischenlösungen mitzuschwingen. Angefangen hatte man nach der Wende in einem dem Namen nach fürstlichen Bau – dem Orangerieschloss im Park Sanssouci. In den Pflanzenhallen waren in den 1950er-Jahren bereits dreistöckige, 110 Meter lange Holzregale errichtet worden. „Die Brandgefahr war unerträglich hoch“, erinnert sich Neitmann, der 1993 vom Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz aus Berlin nach Potsdam gekommen war und dort Direktor wurde. Außerdem waren die Hallen starken Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen unterworfen – ein Unding für empfindliches Archivgut.

Die Suche nach neuen Räumen führte zunächst zu einer ehemaligen Stasi-Liegenschaft in Potsdam-Bornim mit Bunkern und Lkw-Hallen. Dort wurden die Bestände auch aus Außenstellen Cottbus und Frankfurt untergebracht. Immer wieder verschoben sich jedoch Neubaupläne, bis in Golm eine neu errichtete Fabrik für Messanlagen nach kurzer Zeit Pleite ging und das Finanzministerium sich entschied, sie nach entsprechenden Umbauten langfristig anzumieten.

Erstmals sind nun alle Bestände sowie der Lesesaal, Bibliothek, Restaurierungswerkstatt und Sicherungsverfilmungsstelle unter einem Dach vereint. Unterzubringen waren unter anderem neun Kilometer Grundakten und Grundbücher, 216 500 Karten, 120 000 Fotos und 10 000 Urkunden.

Heute sorgen vor allem die Ministerien, die Oberbehörden und Obergerichte für einen nicht endenden Strom von Neuzugängen. Spätestens nach 30 Jahren müssen die Schriftstücke der Behörde vorgelegt werden, die dann entscheidet, ob sie für spätere Generationen aufgehoben werden sollen oder nicht. Mit der Einführung der elektronischen Akte in der Landesregierung vollzieht auch das Archiv den Übergang zum papierlosen Sammeln. Auch Nachlässe von Wissenschaftlern und Künstlern gehören zu den Beständen. Insgesamt sind 60 Mitarbeiter in dem langgestreckten Bau in der Nähe des naturwissenschaftlichen Campus‘ der Universität beschäftigt. 2500 Nutzer finden jedes Jahr den Weg in den Lesesaal. 15 000 Anfragen von Privatpersonen, Anwälten oder Historikern werden jährlich bearbeitet. Darüber hinaus werden heraldische Gutachten, beispielsweise für Gemeinden oder Kreise erstellt, die sich ein neues Wappen zulegen wollen.

Direktor Neitmann schätzt, dass in Brandenburg in den vergangenen Jahren ein gut funktionierendes System von Kreisarchiven aufgebaut wurde. Allerdings gebe es nach wie vor Gemeinden, die nicht entschieden haben, wie sie mit ihren Akten umgehen wollen. Sie können sie an Kreisarchive abgeben oder sie auch dem Landeshauptarchiv anbieten. „Viele Gemeinden entziehen sich aber den Auflagen des Landesarchivgesetzes und machen gar nichts“, beklagt Neitmann. Damit drohe die Gefahr, dass wichtige Papiere früher oder später verloren gehen – ein Graus für jeden Archivar.  

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen