Autobahn-Ausbau : Planer drücken aufs Tempo

Tagtäglich rollt auf der A10 bei Michendorf eine Blechlawine durch die Baustelle.
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Tagtäglich rollt auf der A10 bei Michendorf eine Blechlawine durch die Baustelle.

Großbaustelle auf der A10 bei Michendorf soll schneller fertig werden. Seit Baubeginn ereigneten sich viele Unfälle durch hohe Verkehrsbelastung.

svz.de von
09. Mai 2017, 05:00 Uhr

Die Bauarbeiten zum achtspurigen Ausbau des Berliner Rings (A10) bei Michendorf sollen angesichts der vielen Staus und Unfälle beschleunigt werden. Dies kündigte Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) in Potsdam an.

„Die hohe Verkehrsbelastung hat nach Beginn der Bauarbeiten zu vielen Unfällen im Baustellenbereich geführt. Hier mussten wir handeln“, erklärte Schneider. Dies werde auch die autobahnnahen Gemeinden entlasten, die von der Stauumfahrung stark betroffen seien.

Ein fünf Kilometer langer Hauptabschnitt werde nun bereits im August 2018 achtspurig freigegeben, sagte die Abteilungsleiterin der bundeseigenen Planungsgesellschaft Deges, Stefanie Langowski. Zwei weitere Abschnitte von 2,7 und 1,2 Kilometer Länge sollen im September 2019 und im Mai 2020 fertig sein. Ursprünglich war die Freigabe erst für Herbst 2020 geplant.

Die schnelleren Arbeiten sind möglich, weil das Projekt jetzt in drei Einzelabschnitte aufgeteilt wurde. Das höhere Tempo wird allerdings auch rund 4,5 Millionen Euro zusätzlich kosten, die der Bund zahlt.

Insgesamt werden jetzt 155 Millionen Euro investiert. Das zusätzliche Geld soll unter anderem an die Baufirmen gehen, die damit zum Beispiel zusätzliche Maschinen einsetzen. Nach Angaben der Deges wird an der Baustelle tags und nachts gearbeitet. An Wochenenden ruhen die Arbeiten demnach allerdings.

Die Arbeiten hatten vor gut einem Jahr mit einem offiziellen ersten Spatenstich begonnen. Inzwischen ist die Erweiterung der bislang dreispurigen südlichen Fahrbahn nahezu abgeschlossen. Neben der Trasse wird auch die Rastanlage Michendorf deutlich ausgebaut, die von Lärm belasteten Anwohner der Autobahn sollen mit einer neuen Schallschutzmauer entlastet werden.

Derzeit nutzen knapp 100 000 Fahrzeuge die Autobahn pro Tag – damit ist es einer der am meistbefahrenen Autobahnabschnitte in Deutschland. Die Prognosen gehen davon aus, dass im Jahr 2025 bis zu 126 000 Fahrzeuge pro Tag die Autobahn nutzen. Der Abschnitt reicht vom Autobahndreieck Nuthetal bis zum Autobahndreieck Potsdam. Die Trasse ist damit auch Teil des europäischen Verkehrsnetzes.

Wegen der zahlreichen Unfälle hatte die Polizei bereits verstärkte Kontrollen in und vor den Baustellen angekündigt. Zudem wurden die Höchstgeschwindigkeit in den Baustellenzuführungen gesenkt und weitere Warnhinweise installiert. Bereits die bisherige Planung der Baustelle sah vor, dass der Verkehr auch während der Bauarbeiten in der Regel weiter auf sechs Fahrstreifen fließen kann, die jedoch schmaler sind als sonst üblich.

Nach dem Baustart im Frühjahr 2016 war die Zahl der Unfälle deutlich angestiegen. Wurden im ersten Quartal 2016 noch weniger als 100 Unfälle gezählt, waren es im ersten Quartal dieses Jahres bereits mehr als 270 Unfälle, heißt es in einer Übersicht des Potsdamer Verkehrsministeriums.

Erst vor einer Woche kam es wenige Kilometer östlich der Baustelle zu einem schweren Unfall. Dabei krachte ein Sattelzug gegen einen Pkw, kippte um und blieb auf allen drei Streifen Richtung Magdeburg liegen. Der Unfall hatte laut Polizei allerdings nichts mit der Baustelle zu tun. Die Beamten mussten die Trasse für mehrere Stunden komplett sperren, die Fahrer des Autos und des Lkw wurden leicht verletzt in Krankenhäuser gebracht.  

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