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Brandenburg

22. November 2017 | 00:20 Uhr

Konzept : Pläne für ungenutzte Brücke

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nicht alle Eisenbahnbrücken, die Polen mit Brandenburg verbinden, sind mehr in Betrieb – am Standort Neurüdnitz soll sich das ändern

svz.de von
erstellt am 09.Nov.2017 | 05:00 Uhr

Der Zugang ist mit Bauzaun versperrt. Gras wächst wild in die Höhe, dazwischen sind Bahngleise zu sehen. Die Eisenbahnbrücke über die Oder bei Neurüdnitz (Märkisch-Oderland), die Brandenburg mit Polen verbindet, ist schon lange nicht mehr in Betrieb. Es gab immer wieder Anläufe, sie touristisch für Fußgänger und Radler zu nutzen. Jetzt soll es endgültig klappen. In Brandenburg gibt es mehrere Eisenbahnbrücken an der Grenze, die stillgelegt sind.

Der Anblick der Brücke entlang der Oder ist prächtig. Das mehr als 600 Meter lange technische Denkmal liegt mitten in der einsamen Naturidylle. Auf polnischer Seite heißt der nächstgelegene Ort Siekierki. Die Stahlkonstruktion sah nicht immer so aus wie heute. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die in den 1920er Jahren gebaute Brücke wegen der herannahenden Alliierten gesprengt, wie der Bauamtsleiter des Amts Barnim-Oderbruch, Helge Suhr, erläutert.

Danach wurde das Bauwerk quasi wieder zusammengestückelt. Unterschiedliche Brückenteile aus ganz Deutschland wurden dafür nach dem Krieg wiederverwendet. Zu DDR-Zeiten wurde die Konstruktion demnach nur selten und dann für militärische Zwecke genutzt.

Entlang der deutsch-polnischen Grenze in Brandenburg gibt es sieben Eisenbahnbrücken, wie das Infrastrukturministerium in Potsdam mitteilt. Tatsächlich genutzt werden im Eisenbahnverkehr aber nur vier: An den Standorten Küstrin (Märkisch-Oderland), Frankfurt (Oder), Guben Richtung Gubin und Forst (beide Spree-Neiße). Ohne Nutzung sind neben Neurüdnitz Eisenbahnbrücken in Hohenwutzen (Märkisch-Oderland) und Guben Richtung Lubsko.

Im Sommer wurde bekannt, dass das Konzept für die Eisenbahnbrücke Neurüdnitz, die Europabrücke heißen soll, von der EU gefördert werden soll. Möglicherweise wird es Anfang nächsten Jahres einen Fördervertrag geben, wie das Gemeinsame Sekretariat des Interreg-Programms Mecklenburg-Vorpommern/Brandenburg/Polen mitteilt. Zuvor müssen aber noch fördertechnische Auflagen erfüllt sein.

Die Brücke wird eigentlich von der Deutschen Bahn instand gehalten, wie das Unternehmen erläutert. Es gibt seit Jahren aber einen Nutzungsüberlassungsvertrag, so dass Dritten das Bauwerk mit allen Rechten und Pflichten überlassen werden kann. Seit 2016 sei daran auch das Amt Barnim-Oderbruch beteiligt. Bauamtsleiter Suhr berichtet, dass es schon seit Mitte der 1990er Jahre die Idee gab, die Brücke als touristische Querung im Naherholungsgebiet zu nutzen. Es folgten verschiedene Anläufe. Es gab vor Jahren sogar schon einmal auf einem Abschnitt eine Draisine als Touristenattraktion. Aber es tauchten Probleme auf. Dazu gehörte auch ein Uhu-Pärchen, das sich zum Brüten auf einem Brückenpfeiler niederließ und laut Suhr die Naturschutzbehörde auf den Plan rief.

Was soll aus der Brücke werden? Sie soll für Touristen und Radler begehbar gemacht werden. Es sind einige Aussichtspunkte geplant, wie Suhr erläutert. Entlang der Oder verlaufen jetzt schon Radwege, die Brücke könnte ein Anziehungspunkt sein. Voraussichtlich im Dezember soll es im Amt einen Haushaltsbeschluss geben, ob das Projekt finanziell mitgetragen wird.

Auch in Polen setzt man auf die touristische Zukunft des Bauwerks. Agata Suchta vom zuständigen Team für Landschaftsparks der Wojewodschaft Westpommern sagt: „Die Brücke wird ein grenzüberschreitender Rad- und Fußweg, der den Tourismus in den benachbarten polnischen und deutschen Gemeinden ankurbeln wird. Das Interesse an der Region und die Tourismusentwicklung werden wachsen.“ Während der Arbeiten werden demnach Workshops für die örtliche deutsch-polnische Gemeinschaft angeboten. Ziel ist es, das Potenzial der Brücke für Kultur und Natur zu erschließen. Durch das Bau-Projekt und die Workshops werden sich die benachbarten Bewohner aus Deutschland und Polen näher kommen, wie die polnische Seite betont.

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