Prozess : Piratentuch gehört nicht aufs Passfoto

Das Piratentuch von Rüdiger Weida hat auf einem Passfoto nichts zu suchen.
Das Piratentuch von Rüdiger Weida hat auf einem Passfoto nichts zu suchen.

Chef der „Spaghettimonster-Kirche“ verliert Prozess gegen die Stadt Templin

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13. November 2015, 20:00 Uhr

Sie heißen „Pastafari“, feiern „Nudelmessen“ und tragen Piratenkappen. Weil ihm diese Kopfbedeckung auf seinem Ausweis verwehrt wurde, zieht der Vorsitzende der „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters“ vor Gericht. Zum Prozess kommt Rüdiger Weida mit Piratenkappe. Wegen eines solchen Stückchens Stoff hat der Mann mit dem weiß-grauen Rauschebart die Stadt Templin (Uckermark) verklagt. Die verweigerte dem Vorsitzenden der satirisch-kritischen „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland“ einen neuen Personalausweis mit Passbild im Piraten-Look. Das wollte der 64-Jährige nicht hinnehmen. Das Verwaltungsgericht Potsdam weist jedoch am Freitag die Klage ab.

Für Weida ist die „Spaghettimonster-Kirche“ eine Weltanschauungsgemeinschaft. Deshalb beruft sich der 64-Jährige auf die im Grundgesetz vorgeschriebene Gleichbehandlung von Weltanschauungs- und Religionsgemeinschaften. Doch Richter Donald Burchards urteilt, es fehle „der eigene weltanschauliche Erklärungsansatz.“ Vielmehr sieht das Gericht eine „parodistisch-kritische Auseinandersetzung“ mit als intolerant und dogmatisch empfundenen Lehrmeinungen.

Zum Prozess an diesem Freitag, den 13., erscheint Weida ohne Anwalt. Inhaltlich sind die Fronten zwischen dem früheren Jugendsozialarbeiter und den Vertretern der Stadt Templin verhärtet. Ernsthaft setzt sich das Gericht mit der Problematik und der Frage auseinander, was eine Religion und was eine Weltanschauung ausmacht. Ein gewisses Amüsement können die Richter allerdings nicht verhehlen. Und so räumt Gerichts-Vizepräsident Burchards auch ein, dass es „gelegentlich für Erheiterungen“ gesorgt habe, als sie sich mit den Publikationen der „Kirche“ beschäftigt hätten.

Der „Glaube“ an das „Fliegende Spaghettimonster“ entstand in den USA - als kritische Reaktion darauf, dass der Kreationismus immer mehr Einfluss auf den Schulunterricht genommen habe. Deren Anhänger lehnen die Evolutionstheorie nach Charles Darwin ab. „Pastafari“ nennen sich die Anhänger. Piraten-Kluft ist laut Weidas Worten für sie Pflicht. In Deutschland sind Kopfbedeckungen auf Passbildern grundsätzlich nicht gestattet. Die Passbehörde kann aus religiösen Gründen Ausnahmen zulassen. Bei Weida wurde keine Ausnahme gemacht. Und das Potsdamer Gericht folgt dieser Entscheidung. Eine Berufung zum Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg lässt es nicht zu. Weida will jedoch Nichtzulassungs-Beschwerde einlegen.  

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