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Wassertourismus : Pingpong-Spiel um Finowkanal

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wirtschaftsausschuss Barnim diskutiert über Zukunft der Wasserstraße. Befragung von Touristen läuft bis Ende Oktober

svz.de von
erstellt am 31.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Wie geht es weiter mit dem Wassertourismus in der Region? Der Wirtschaftsausschuss Barnim ließ sich auf den neuesten Stand bringen und diskutierte über die Schiffbarkeit des 42 Kilometer langen Finowkanals und den Erhalt seiner zwölf Schleusen.

Zuletzt hatte der Kreistag im Juni den Plan, die Übernahme der Schleusen am Finowkanal durch einen noch zu gründenden kommunalen Zweckverband zu beschleunigen, scheitern lassen. Die Fraktionen Linke, SPD und FDP verweigerten die Zustimmung. Vor diesem schwierigen Hintergrund erläuterten Julia Pollok, Leiterin des Projektbüros der Wasserinitiative Nordwestbrandenburg (WIN), und die Barnimer Projektkoordinatorin Antje Uhlig den Sachstand.

Die zehn Mitglieder der Wasserinitiative, als Jüngstes stieß im Februar Fehrbellin (Ostprignitz-Ruppin) zur Interessengemeinschaft dazu, haben sich in die Statuten geschrieben, den Wassertourismus anzukurbeln und mit konkreten Projekten zu unterstützen.

Dazu zählt der Lange Trödel in Liebenwalde, der 2016 eröffnet werden konnte. Zwei Klappbrücken und eine Hubbrücke wurden mit der Schleuse Zerpenschleuse in diesem Zusammenhang saniert und neu gebaut. Ziel ist es, den Finowkanal durchgängig schiffbar zu halten und weitere Wasserwege zu erschließen und anzubinden. Insgesamt 340 Kilometer könnten im Bereich der WIN-Mitglieder schiffbar werden.

Zu den Neubauprojekten zählt die Schleuse Friedenthal in Oranienburg, bis Juni 2018 soll die Planfeststellung vorliegen. „Wir hoffen, dass dann 2019/20 die Bauphase beginnen kann“, machte Pollok deutlich. Angeschlossen werden sollen über diese Schleuse auch der Ruppiner Kanal und Stadthafen Oranienburg. Bislang sind weite Umwege über die Schleuse Pinnow nötig. „Das ist ein zu großer Umweg, um attraktiv zu sein“, sagte die Projektbüro-Leiterin.

Parallel dazu müht sich die Kommunale Arbeitsgemeinschaft Region Finowkanal (KAG) um den Erhalt des Schleusenbetriebs am Finowkanal. Der Bund will die zwölf Schleusen sanieren und in kommunale Trägerschaft überführen. Das könnte über einen Zweckverband geschehen, der dann auch den Betrieb sichert und Fördermittel dafür beantragen könnte.

Der Landkreis Barnim wollte dafür im Haushalt 2018 zunächst 300 000 Euro jährlich als Zuwendungen einstellen. Weitere 500 000 Euro an Investitionszuschüssen und einmalig eine Million Euro sollten für einen Schub sorgen. Doch daraus wurde nichts. Ob sich der Zweckverband nun bis Ende 2020 aus den Mitgliedern der KAG heraus gründet, ist noch offen. Nur dieser könnte Fördermittel beantragen.

Federführend agiert die Stadt Eberswalde, die jedoch noch keine konkreten Beschlüsse vorgelegt hat. Die Gemeinde Marienwerder will zum Jahresende aus der KAG sogar aussteigen – aus Geldmangel. Die Diskussionen würden auf allen Ebenen geführt, machte Uhlig klar. „Es bleibt eine große Herausforderung“, sagte die Projektkoordinatorin im Wirtschaftsausschuss.

Eine im Mai veröffentlichte Studie des Bundeswirtschaftsministeriums spricht dem Finowkanal eine „mittlere regionalwirtschaftliche Bedeutung“ zu. Auch würden angeschobene und erledigte Projekte quasi konterkariert, wenn die Übernahme der Schleusen nicht gelinge, sagte Uhlig. Beispiele, wie das geschehen könne, gebe es aus Schweden. Auch im Ausschuss wurde widerstreitend diskutiert. Gegenwärtig entscheide keine beteiligte Kommune etwas, hieß es.

Aktuell wird eine Befragung von Bootstouristen im WIN-Gebiet durchgeführt. Die ist auch online möglich. Es fehlt an Wlan, Tankstellen und Anliegestellen, zeigen erste Ergebnisse.

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