Sicherheit : Pfefferspray gegen die Angst

erade beim Pfefferspray verzeichnet der Fachhandel in jüngster Zeit eine massive Umsatzsteigerung.
erade beim Pfefferspray verzeichnet der Fachhandel in jüngster Zeit eine massive Umsatzsteigerung.

Mittel zur Selbstverteidigung in Brandenburg gefragt

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28. Januar 2016, 09:06 Uhr

Die Anschläge in Paris und die Übergriffe in Köln haben das Vertrauen der Bürger in den Staat erschüttert. Brandenburger setzen auf Selbstverteidigung – zur Not mit Waffen.

„Was mit Selbstverteidigung zu tun hat, wird stärker nachgefragt“, bestätigt Jagdausstatter Steffen Morche, der in Eberswalde (Barnim) seit vier Jahren Waffen verkauft. 30 Prozent mehr Umsatz habe er mit Pfefferspray in den vergangenen Monaten gemacht. Im November fehlte Nachschub: Herstellern gingen die nötigen Behälter und Verschlüsse aus.

Mindestens verdoppelt hat sich die Menge verkaufter Pfeffersprays, ähnlicher CS-Gase und anderer freier Abwehrmittel nach Schätzungen des Verbands deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler (VDB). Genaue Zahlen gibt es noch nicht, den tatsächlichen Absatz ermittelt zurzeit ein Marktforschungsinstitut. „Einzelne Händler berichten von 700 Prozent Umsatzplus“, sagt Geschäftsführer Ingo Meinhard. Es sei ein Umsatz den mancher Waffenfachhändler nicht haben möchte.

Denn es ist diffuse Angst vor Anschlägen und übergriffigen Flüchtlingen, die auch Brandenburger in die Waffenläden treibt. Morche erzählt von Vätern, die Töchter mit Pfefferspray eindecken, und älteren Frauen, die sich auch mit Hund nicht mehr sicher fühlen. Die „situationsbezogenen, irrationalen Käufe“ bereiten den VDB-Geschäftsführer Sorgen.

Im November und Dezember 2015 beantragten zudem 227 Brandenburger einen kleinen Waffenschein, um Schreckschusswaffen öffentlich tragen zu dürfen. Das waren mehr als 40 Prozent der Antragsteller im Jahr 2015.

Annemarie Diehr

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