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Fachkräfte fehlen bei der Kinderbetreuung : Personalmangel in Kitas wächst

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In Brandenburg müssen Kindertagesstätten früher schließen, weil Mitarbeiter fehlen –Der Betreuungsschlüssel soll verbessert werden

von
erstellt am 16.Jun.2017 | 05:00 Uhr

Als sich die Mitglieder des Bildungsausschusses am Donnerstag im Landtag zur Sitzung trafen, blieb ein Platz leer. „Frau Nast von der Friedrich-Fröbel-Kita in Oranienburg hat leider abgesagt“, sagte Ausschussvorsitzende Gerrit Große. „An der Kita herrscht Personalmangel, sie muss in die Gruppe hinein.“ Womit ein Thema der Ausschusssitzung passend eröffnet wurde: Die Abgeordneten berieten über das neue Kitagesetz.

Es soll die Personalausstattung der Einrichtungen leicht verbessern: Zum 1. August 2017 soll bei den unter Dreijährigen der Personalschlüssel von einem Erzieher pro zwölf Kinder auf 1 zu 11,5 Kinder verbessert werden, zum 1. August 2018 soll ein Schlüssel von 1:11 gelten.

Wie schwierig es wird, dieses Ziel zu erreichen, machten einige Daten aus einer noch unveröffentlichten Studie der Liga der Freien Wohlfahrtsverbände deutlich, die in einer schriftlichen Stellungnahme im Ausschuss zitiert wurde. Demnach bleiben an 15 Prozent der Kindertagesstätten freier Träger derzeit Plätze wegen Personalmangels unbesetzt. 16 Prozent der Kitas müssen wegen Personalmangels ihre Öffnungszeiten reduzieren.

„Wir sehen hier einen Wendepunkt“, sagte Liga-Vorsitzender und Diakonie-Vorstand Martin Matz im Ausschuss. Früher habe es Personalprobleme punktuell gegeben, heute sei „die Zahl der Kinder und die Zahl der benötigten Fachkräfte an einem Schnittpunkt angekommen, wo es nicht mehr nur punktuell ist.“ Matz machte deutlich, dass nicht alle Absolventen einer Kita-Ausbildung eine Tätigkeit im Land aufnehmen. Das sei nur bei 75 Prozent der Absolventen der Fall.

Bianka Petereit, Referatsleiterin beim Städte- und Gemeindebund Brandenburg, sprach mit Blick auf den Rechtsanspruch auf einen Kindertagesstättenplatz von einem „dramatischen Fachkräftebedarf“.

In der schriftlichen Stellungnahme des Landkreises Märkisch-Oderland heißt es: „Die vierteljährliche Stichtagsmeldung der Träger an den Landkreis zeigt deutlich, dass nicht ausreichend Personal zur Verfügung steht.“ Die Träger hätten Probleme, Fachkräfte zu finden. Petereit beklagte, Gelder aus dem Bundeshaushalt versickerten im Ministerium. Seit 2008 habe der Bund 184 Millionen Euro in die Mark gegeben.

Beraten wurde die Kosten des Mittagessens in den Kindertagesstätten. Mehrere Gerichtsurteile hatten kommunale Satzungen gekippt, weil die Kosten für das Essen nicht eindeutig begründet waren. „Wir können derzeit seriös und belastbar keiner Gemeinde empfehlen, wie sie kalkulieren kann“, so Petereit. Der Städte- und Gemeindebund rate, eine Anleihe an der Formulierung im Schulgesetz zu nehmen. Dort ist von „angemessenen Preisen“ die Rede. Die Regelung habe sich in der Praxis bewährt.

Der Professor für Kleinkindpädagogik an der Freien Universität Berlin, Wolfgang Tietze, plädierte für ein Qualitätsmonitoring an Kindertagesstätten. Die Politik müsse wissen, was an den Kindertagesstätten passiere. „Man könnte in einem wohlüberlegten Stichprobenplan jedes Jahr eine Anzahl von Einrichtungen untersuchen.“


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