Per Schiff zu Preußens Prachtstätten

 Von der Heilandskirche im Park Sacrow (r.) führt eine Sichtachse zur Meierei am Cecilienhof.
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Von der Heilandskirche im Park Sacrow (r.) führt eine Sichtachse zur Meierei am Cecilienhof.

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24. Juli 2010, 01:57 Uhr

Potsdam | Die Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin sind ein faszinierendes Beispiel preußischer Bau- und Gartenkunst - über Jahrhunderte hinweg kreiert von den besten Landschaftsarchitekten ihrer Zeit. Vor 20 Jahren hat die Unesco die einzigartige Parklandschaft in die Welterbeliste aufgenommen. Mit 500 Hektar ist sie die zweitgrößte der inzwischen 33 Stätten in Deutschland. Anlässlich des Jubiläums laden morgen die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und die Weisse Flotte zu einer besonderen Rundfahrt entlang der preußischen Welterbestätten ein - auf dem Wasser. Dann können sich Besucher ein bisschen so fühlen, wie die Hoheiten von einst.

Vielleicht ließ sich auch Elisabeth von Preußen hier einst über die Havel schippern, begleitet von ihrer Hofdame, der Gräfin Editha von Haacke, die ihr den Sonnenschirm hielt und frische Luft zufächerte. Schon damals, im 19. Jahrhundert, dürften die beiden Damen die romantische Aussicht vom Boot aus genossen haben: aus dem Blätterwald emporragende Türme, sich majestätisch über die Ufer erhebende Schlösser, die Farbenpracht der Wiesen und Gärten.

Heute begeben sich die Besucher per Schiff auf die Spuren von Preußens Herrschern, die ihre Residenz- und Lustschlösser bevorzugt an der Havel und ihren Seen erbauen ließen. Die MS Sanssouci, die MS Charlottenhof und die Wassertaxis werden zur Jubiläumstour am Potsdamer Hafen starten, fahren dann vorbei an den Parks von Babelsberg, Glienicke, Sacrow, der Pfaueninsel und dem Neuen Garten mit Stopps in Sacrow und Babelsberg, wo der Flatowturm einen Ausblick auf die zum Großteil von Peter Joseph Lenné gestalteten Parklandschaften bietet.

Begleitet werden die Touren von historischen Figuren, die vom Leben am preußischen Hof berichten: dem Gartenkünstler Hermann Fürst von Pückler-Muskau, dem Hofkoch Ferdinand Andrea Tamanti und der Gräfin Editha von Haacke. Darstellerin Maja Das Gupta spielt die Gräfin: "Ich erzähle von der großen Liebe des Königspaares, die religiöse Konflikte überwand, dem Ringen des Königs mit sich, bevor er eine Verfassung erließ und vieles mehr", berichtet die Berlinerin.

Daneben sind auch Stiftungsexperten mit an Bord, darunter Sven Hannemann, Fachbereichsleiter im Park Sanssouci. Für ihn ist jede einzelne Station ein Höhepunkt preußischer Architektur und Gartengestaltung. Er kann erklären, warum man diese Landschaft einfach schön finden muss: Hannemann spricht von "Landmarken", "Parks, die miteinander kommunizieren" und der "Mutter aller Sichten" - der langen Blickachse vom Schlösschen auf der Pfaueninsel bis zum Marmorpalais im Neuen Garten. "Das ist ein wahres Gesamtkunstwerk, das Netzwerk der Gartenanlagen scheint kein Ende zu nehmen", schwärmt der Fachmann.

Während der Fahrt gibt Hannemann seinen Zuhörern Einblicke in die Geschichte: So befand sich im Sacrower Königswald einst eine slawische Festung, deren Reste sich beim Durchstreifen des Waldes noch aufstöbern lassen. Auch die jüngere Geschichte hinterließ Spuren: Zu DDR-Zeiten fielen rund 30 Hektar des Babelsberger Parks und des Neuen Gartens den Grenzanlagen zum Opfer, die Mauer führte mitten durch den Sacrower Schlossgarten. Seit der Wende werden die Anlagen wieder aufwendig bepflanzt, historische Wege rekonstruiert, Gebäude saniert.

Wie viel Geld bislang in die Erneuerung des Welterbes floss, kann selbst Heinz Buri, Marketingdirektor der Schlösserstiftung, nicht sagen. Er berichtet aber vom Masterplan, der 155 Millionen Euro von Bund und Ländern für die Sanierung der Schlösser und Gärten bis 2017 vorsieht. Ganz an die historische Vorlage hält man sich dabei nicht: War die ursprüngliche Bepflanzung laut Hannemann von "eher langweiligen Kiefern" geprägt, zieren die Höhenzüge neben Eichen oder Buchen heute auch Säulenpappeln, Sumpfzypressen oder Ginkgobäume. Angesichts dieses südlichen Flairs ist zumindest für Sven Hannemann klar: "Um Urlaub zu machen, brauchen Sie gar nicht erst weit weg zu fahren."

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