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Fahrgastverbände haben Bauchschmerzen : Pendeln wird weiter teurer

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach 17 Monaten Stabilität müssen Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr ab Januar tiefer in die Tasche greifen. Für Michael Hasse vom Bahnkunden-Landesverband ist die Preiserhöhung nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

svz.de von
erstellt am 10.Okt.2014 | 08:03 Uhr

Nach 17 Monaten Stabilität müssen Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr ab Januar tiefer in die Tasche greifen. Um durchschnittlich 2,3 Prozent steigen die Preise. Für Michael Hasse vom Bahnkunden-Landesverband ist die Preiserhöhung nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Statt über höhere Tarife steigende Kosten bei den Verkehrsunternehmen abzufedern, ist es aus Sicht von Hasse weitaus sinnvoller, auf Steuermehreinnahmen der Länder zurückzugreifen. Mit jährlich 22 Millionen Euro zusätzlich rechnet die Geschäftsführerin des Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB), Susanne Henckel, durch die Tarifanpassung. „Und dabei kann sie nicht einmal sagen, ob mit dieser Summe die Mehrkosten gedeckelt sind“, wundert sich Hasse.

Schon im vergangenen Jahr übertrafen die Ticketeinnahmen alle Erwartungen. 63 Millionen Euro mehr als erwartet verhalfen dem Verkehrsverbund zu Rekordeinnahmen von 1,2 Milliarden Euro. Die hat Henckel der – ebenso – rekordverdächtigen Statistik von 1,32 Millionen Fahrgästen zu verdanken.

Die VBB-Geschäftsführerin steht vor der Herausforderung, den Nahverkehr in Berlin und Brandenburg halbwegs gerecht zu finanzieren. Derzeit werden die jährlich nötigen rund 2,3 Milliarden Euro zu 46 Prozent aus Fahrgeldeinnahmen finanziert – der Rest kommt aus der öffentlichen Hand.

„In anderen Bundesländern beteiligt sich der Fahrgast deutlich stärker an den entstehenden Kosten“, sagt Manfred Zalenga, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender beim Verkehrsverbund. VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel drückt es so aus: „Es ist eine große Herausforderung, einen Ausgleich zwischen den Wünschen der Verkehrsunternehmen durch steigende Kosten und Investitionen sowie dem Anspruch der Fahrgäste herbeizuführen.“ Wachsende Fahrgastzahlen würden aber auch einen höheren Bedarf an Verkehrsleistungen nach sich ziehen – insbesondere in Berlin und seinem Umland.

Verschont von der Erhöhung bleiben einige Zeitkartentarife wie das Berlin-Ticket S, das VBB-Freizeitticket und auch das ermäßigte Schülerticket für Berlin. Mit 0,8 Prozent unterdurchschnittlich steigen auch die Preise für Monatskarten in den kreisfreien Städten Brandenburgs – von derzeit 39,60 auf 39,90 Euro. Das vor fünf Jahren eingeführte und mit 85 000 Abonnenten erfolgreiche Seniorenticket kostet ab Januar mit 49,90 knapp 90 Cent mehr als bislang.

Nach Ansicht des VBB ist all das moderat im Vergleich zu anderen Verkehrsverbünden in Deutschland – und dringend notwendig, weil noch nicht entschieden ist, wie viel Geld der Bund künftig über die Regionalisierungsmittel an die Länder ausreichen wird.

Der Brandenburger Bahnkundenverband steht dem Aufsichtsratsbeschluss des Verkehrsverbundes kritisch gegenüber und fordert ein Umdenken in der Verkehrspolitik. Künftige Fahrpreissteigerungen sollten, so der Landesvorsitzende Frank Böhnke, an eine Erhöhung des Angebotes geknüpft sein.

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