Peinlicher Auftritt

svz.de von
16. September 2015, 12:00 Uhr

Das hätte nicht passieren dürfen: Ausgerechnet in einer der drei von Einkreisung bedrohten kreisfreien Städte blamiert sich Innenminister Karl-Heinz Schröter nach Strich und Faden. Statt mit seiner Informationstour den Frankfurtern die Ängste vor der Zukunft ihrer Stadt zu nehmen, haut der SPD-Politiker noch kräftig drauf – und erreicht damit das Gegenteil. Wenn es zu den Zielen der Informationstour gehörte, kritische Stimmen von der Reform zu überzeugen, dann hat Minister Schröter sein Ziel schon jetzt verfehlt. Was auch mit seiner Person zusammenhängt: Tatsächlich ist Schröter ein Machertyp und vielleicht der durchsetzungsstärkste, selbstbewussteste Innenminister, den das Land zumindest in den letzten Jahren hatte. Aber in dieser Situation ist Diplomatie gefragt – und das ist nicht seine Stärke.

Ein René Wilke, ein Ralf Holzschuher oder eine Martina Münch wären jedenfalls geradezu mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie nach solchen Auftritten des Fachministers auch nur in Erwägung zögen, der Reform im Landtag zuzustimmen. Zweifellos war es eine gute Idee, mit den Bürgern einen Dialog über die Reform zu führen. Aber wenn eine derartige Veranstaltung damit endet, dass sich Menschen vor den Kopf gestoßen fühlen, sollte das Innenministerium die Tour besser abbrechen, und das Konzept für die Kreisgebietsreform zumindest so lange wieder in die Schublade legen, bis sich die Fronten wieder beruhigt haben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen