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Hunderte Millionen Euro : Papierhersteller investieren kräftig

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Weniger gedruckte Zeitungen und Magazine, dafür boomender Onlinehandel mit Hunger auf jede Menge Verpackungsmaterial bei märkischen Unternehmen.

svz.de von
erstellt am 20.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Täglich schleppen Tausende Paketboten landauf, landab Warensendungen zu deutschen Haushalten. Zugleich steigt bei Papierherstellern die Nachfrage nach Verpackungsmaterial wie Pappe und Karton – eine Folge des boomenden Onlinehandels. Märkische Hersteller wie die Schwedter Leipa GmbH sehen neue Marktchancen, um das schwächelnde Geschäft mit Zeitungspapier zu kompensieren.

Denn die Auflage gedruckter Zeitungen und Magazine nimmt aufgrund des digitalen Wandels konstant ab. Für die Hersteller grafischer Papiere bedeutet das schrumpfenden Absatz und sinkende Verkaufspreise. So ist der jährliche Bedarf in diesem Segment laut Leipa-Chef Peter Probst in Europa um drei Millionen Tonnen zurückgegangen. „Es ist ein Sterben von Tageszeitungen und Magazinen zu beobachten“, sagte er.

Jährlich stellt die Leipa-Group mit dem Hauptproduktionsstandort Schwedt sowie im bayrischen Schrobenhausen und in einem Werk in Rumänien 580 000 Tonnen Magazin- und 280 000 Zeitungsdruckpapier her. Dazu kommen noch einmal 250 000 Tonnen Verpackungsmaterial (Liner) und 125 000 Tonnen Karton sowie weitere Sorten. Die Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben rund 1700 Mitarbeiter und kommt auf einen Jahresumsatz von 740 Millionen Euro.

Schwedt ist nach den Worten von Probst einer der wenigen Standorte der Branche, der grafische und Verpackungs-Papiere an einem Standort herstellt. Das hat wohl historische Gründe. Zu DDR-Zeiten war Schwedt der größte Papierhersteller der Republik. Leipa übernahm 1992 den ehemaligen VEB Papier- und Kartonwerke Schwedt von der Treuhand.

Heute arbeiten an der Oder 1000 Beschäftigte. „Wir weiten jetzt unsere Liner-Kapazitäten aus“, berichtete der Leipa-Chef. Hierfür hat sein Betrieb 2016 in Schwedt ein benachbartes Papierwerk von UPM für 70 Millionen Euro aufgekauft. Die bestehende Zeitungspapiermaschine wird für weitere 200 Millionen Euro für die Herstellung von Verpackungsmaterial umgebaut und erweitert. Ende 2017 soll die Produktion anlaufen. Die riesige Apparatur soll eine jährliche Leistung von 450 000 Tonnen haben, weiße und braune Testliner fertigen.

Außer nach Kartons für Pakete wächst mittlerweile auch die Nachfrage nach werbewirksamen Verpackungen. „Waren die Verpackungen aus Papier im Supermarkt früher alle braun, sind sie heute alle weiß und mit bis zu sechs Farben bedruckt“, erläuterte der Leipa-Chef. „So wirken Produkte viel höherwertiger“, fügte Probst hinzu. Neue Techniken wie der Digitaldruck ließen es zu, in kleineren Auflagen und kundenindividuell zu produzieren.

Auch in Südbrandenburg baut ein Spremberger Papierhersteller aus. Die Papermill, die zu Hamburger Rieger (Trostberg) gehört und ausschließlich Verpackungsmaterial fertigt, will eine zweite Maschine für Linermaterial aufstellen. „Wir planen aktuell mit Investitionskosten von etwa 350 Millionen“, sagte Jakob Handrick aus der Papermill-PR-Abteilung. Das Genehmigungsverfahren laufe.

Derzeit stellt Papermill 315 000 Tonnen Papier pro Jahr mit insgesamt 244 Mitarbeitern her. Das Unternehmen plant, für die Erweiterung weitere knapp 200 Beschäftigte einzustellen.

Neben Leipa und Papermill ist noch ein dritter Papierhersteller in Brandenburg aktiv. Die Progroup AG investierte in Eisenhüttenstadt mehr als 400 Millionen Euro in ein Werk. 2010 startete dort die Produktion von Wellpappenrohpapier.

Übrigens: Alle drei Papiererzeuger fuhren 2015 knapp zwei Drittel des gesamten Branchenumsatzes in Brandenburg ein. Insgesamt wurden laut Statistikamt Berlin-Brandenburg 1,56 Milliarden Euro umgesetzt. Zur märkischen Papierindustrie mit Weiterverarbeitern zählen insgesamt 30 Unternehmen mit 4315 Beschäftigten (Stand: 2015). Alle Papiererzeuger verarbeiten ausschließlich Altpapier.

 

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