Prozessauftakt: : Zwischen Eifersucht und Mordlust

Aus enttäuschter Liebe soll der 35-Jährige seine Ex-Freundin in einem Möbelhaus erstochen haben.
Aus enttäuschter Liebe soll der 35-Jährige seine Ex-Freundin in einem Möbelhaus erstochen haben.

Gestern hat in Frankfurt (Oder) der Prozess gegen den Stalker begonnen.

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25. August 2015, 08:00 Uhr

Gewöhnlicher Haarschnitt, unspektakuläres kariertes Hemd, ausdrucksloser Blick – normaler und durchschnittlicher als Daniel L. kann man kaum aussehen. Als sehr gepflegt, aber nicht besonders aufregend dürften ihn Frauen beim Kennenlernen wahrgenommen haben. Jene grausame und völlig sinnlose Tat, die ihm zur Last gelegt wird, kann man auf jeden Fall nur schwer mit jener Person in Verbindung bringen, die da gestern emotional scheinbar völlig unbeteiligt auf der Anklagebank des Saales 007 im Frankfurter Landgericht dem Gang des Verfahrens folgt. Äußern will er sich zu den Vorwürfen auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Matthias Fuchs nicht.

Und so liefern am ersten Verhandlungstag vor allem vorgelesene Chat-Protokolle erste Einblick in die verhängnisvolle Beziehung zwischen der Eisenhüttenstädterin und dem Frankfurter, sie Disponentin im Möbelmarkt, er Elektriker mit Gelegenheitsjobs. „Männer sind bescheuert“ – „Frauen auch“, so diskutieren sie Ende September 2014 via Whatsapp. Er erzählt ganz allgemein von seinem Frust, sie versucht, ihm Ratschläge zu geben: „Weniger trinken!“

Die zweimonatige Affäre zwischen den beiden Mitdreißigern, die sich über eine Partnerbörse kennengelernt hatten, war da schon vorbei. Sie schrieben sich aber weiter Nachrichten, deren Ton nach und nach rauer wird. Er hält ihr vor, die Tage mit Online-Spielen zu verbringen: „Was für ein armseliges Leben!“ – „Spionierst du mir nach?“, will sie wissen. „Ich werde dich immer finden“, antwortet er und schickt Beschimpfungen hinterher. Und dann: „Deine heftigsten Schmerzen werden meine größte Freude sein.“ Telefonterror folgte, immer wieder kreuzte er mit seinem Auto vor ihrer Wohnung auf.

Am 11. November 2014 ging sie zur Polizei. Als „zunächst nett und unscheinbar“ beschreibt Petra F. auf der Wache ihren Ex-Freund. Blumen gebracht habe er ihr und für sie gekocht. Aber da war stets auch diese extreme Eifersucht. Schon als sie zum Vorstellungsgespräch bei einem möglichen neuen Arbeitgeber fuhr, sei er außer sich gewesen. Auch deshalb die baldige Trennung.

In ihrer Anzeige bei der Polizei beschrieb sie nun, dass er ihr im Netz nachstellt, dass sie sich kaum noch aus dem Haus traut, schlecht schläft. Daniel L. reagierte darauf mit einer Gegenanzeige: Petra F. habe ihn auf einer Internet-Plattform beleidigt. Gegenüber der Polizei weist sie die Vorwürfe zurück. Gleichzeitig taucht Daniel L. an ihrem Arbeitsplatz auf, einem Frankfurter Möbelhaus. Zunächst behelligt er sie bei diesen Aktionen wohl nicht. Sie hat inzwischen auch eine neue Handynummer. Am Freitag, 13. März, kurz nach 13 Uhr ist es anders. Auf dem für Kunden zugänglichen Weg zwischen ihrem Büro und dem Warenlager passt er sie ab. Daniel L. hat ein Küchenmesser und eine Schreckschusspistole dabei. Heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen sticht er laut Anklage zweimal zu. Ohne dass es vorher noch einen Streit oder ein Wortgefecht gab. Ein Stich trifft ihr Herz, der andere die Lunge.

Kollegen hören ihre Schreie, eilen zu den Regalen. Daniel L. kniet über seinem Opfer, greift zur Pistole und bedroht die Helfer, die sich daraufhin zurückziehen und die Polizei rufen. Sechs Minuten später sind die Beamten vor Ort. Sie überwältigen den Angreifer, aber für Petra F. kommt jede Hilfe zu spät. Hass, Wut und Verärgerung vermutet die Staatsanwaltschaft als Auslöser für die Tat. „Wenn ich Dich nicht kriegen kann, dann soll Dich kein anderer haben“, hieß es in einer der letzten SMS von Daniel L. Am Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt.

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