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Schattenseite des Rotlichts : Zwangsprostitution oft unbemerkt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Zwangsprostitution bleibt im Land Brandenburg nach wie vor weitgehend unentdeckt. „Die Frauen gehen nicht von sich aus zur Polizei und trauen sich selten, eine Aussage zu machen“, sagte Margarete Muresan.

Ausgetrickst und ausgebeutet - Zwangsprostitution bleibt im Land Brandenburg nach wie vor weitgehend unentdeckt. „Die Frauen gehen nicht von sich aus zur Polizei und trauen sich selten, eine Aussage zu machen“, sagte Margarete Muresan von der Hilfsorganisation In Via. Seit 2010 ist In Via auch in Königs Wusterhausen aktiv. Von hier aus betreut Muresan landesweit Frauen, die für andere anschaffen gehen müssen - und versucht, ihnen aus der Misere zu helfen. In den vergangenen beiden Jahren hatte sie jeweils rund 30 Fälle in ihrer Kartei, 10 neue sind in diesem Jahr schon dazugekommen. Die Dunkelziffer dürfte um einiges höher liegen.

Trotzdem spielt die Thematik kaum eine Rolle in der polizeilichen Kriminalstatistik. „Rotlichtkriminalität stellt keinen Schwerpunkt im Land dar“, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums, Dietmar Keck. „Die Fallzahlen sind sehr gering.“ Drei Delikte im Bereich Frauenhandel wurden im vergangenen Jahr registriert, 2012 gab es laut Statistik sogar nur einen Fall. Nur eine Frau ist demnach im Jahr 2013 ausgebeutet wurden, im Jahr davor wurden sechs Fälle erfasst. Minderjährige Prostituierte habe es nicht gegeben.

Für Margarete Muresan entsprechen diese Zahlen nicht der Realität. „Wo es Prostitution gibt, gibt es auch Zwangsprostitution“, betonte sie. Es handele sich um sogenannte Kontrolldelikte - Straftaten also, die ohne Kontrollen meist unbemerkt blieben. Auch minderjährige Prostituierte arbeiteten im Land. „Schaut man sich die Fotos von Escort-Services an, sieht man schon, dass die Frauen teilweise sehr jung sind.“ Weil sie aber nur kurzzeitig zu Privatwohnungen bestellt würden, seien sie sehr unauffällig.

Meist muss sich Muresan an die Frauen wenden, von denen sie glaubt, dass sie zur Prostitution gezwungen werden. Nur wenige der Betroffenen aus Bulgarien, Rumänien, Nigeria oder Kamerun suchten sich selbst Hilfe. „Gerade die afrikanischen Frauen wissen meist nicht, dass der Zwang zur Prostitution in Deutschland eine Straftat ist“, sagte Muresan. Zudem seien sie oft dankbar, dass sie nach Deutschland gebracht wurden. Dadurch hätten sie das Gefühl, in der Schuld der Zuhälter zu stehen.

Von den Frauen und ihren Schicksalen bekommen die Behörden indes wenig mit. Für die Kontrolle von Bordellen und Straßenprostitution sind die kommunalen Ordnungsämter zuständig, erst bei konkreten Verdachtsfällen wird die Polizei aktiv. „Hier in Cottbus gibt es keine Bordelle oder Straßenstriche“, sagte der Sprecher der zweitgrößten Stadt des Landes, Peter Lewandrowski. „Das haben die Menschen nicht nötig, sie führen glückliche Familienleben.“

Margarete Muresan sieht das anders: Auch in Cottbus gebe es Bordelle und Wohnungsprostitution, nur seien gerade Bordelle meist nicht als solche angemeldet. Vor diesem Hintergrund seien die Änderungspläne von CDU und CSU hinsichtlich des Prostitutionsgesetzes sinnvoll. Unter anderem müssten sich Bordelle dann eine offizielle Zulassung holen. Eine Registrierung der Prostituierten sei aber keine Lösung im Kampf gegen Zwangsprostitution.

Das bestehende Gesetz habe den Vorteil, dass Prostitution nicht mehr illegal sei. Für Frauen, die ausgebeutet werden, werde allerdings kein Schutz geboten. „Da muss unbedingt nachgearbeitet werden“, forderte Muresan.

 

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