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Der Vorwurf : Zunge des Pferdes am Gebiss festgebunden

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Laut Informationen dieser Zeitung soll die Barnimer Pferdesportlerin Franziska E. beim Turnier in Dallgow (Havelland), das vor anderthalb Wochen ausgetragen wurde, bei einer Gebisskontrolle mit schwerwiegenden Verstößen aufgefallen sein.

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erstellt am 26.Feb.2015 | 08:05 Uhr

Wenn es ums Gewinnen geht, ist manchen Menschen jedes Mittel recht. Einige schießen dabei übers Ziel hinaus, wie jetzt womöglich eine junge Bernauer Dressur-Reiterin. Laut Informationen dieser Zeitung soll die Barnimer Pferdesportlerin Franziska E. beim Turnier in Dallgow (Havelland), das vor anderthalb Wochen ausgetragen wurde, bei einer Gebisskontrolle mit schwerwiegenden Verstößen aufgefallen sein. Der Richter Wolf-Rüdiger Beißert, der vor Ort Routinekontrollen bei mehreren Pferden durchführte, soll festgestellt haben, dass beim Pferd der Bernauer Reiterin die Zunge mit einer Schnur am Gebiss festgebunden war. So wollte die Pferdesportlerin, die für den RV Eichkamp Berlin startet, vermutlich verhindern, dass ihr Pferd die Zunge herausstreckt. Der Grund: Pferde, die in der Dressur die Zunge rausstrecken, haben kaum Chancen auf eine Platzierung.

Dass ein möglicher Verstoß vorliegt, bestätigt die Landeskommission des Landesverbandes Pferdesport Berlin-Brandenburg (LPBB) auf Nachfrage. Zu Einzelheiten will man sich aber nicht äußern. Die Begründung: „Das ist ein laufendes Verfahren“, so Peter Fröhlich, Geschäftsführer des LPBB. Fröhlich betont aber: „Sollte sich der Verdacht bestätigen, wird das nicht ungestraft bleiben.“


Geldstrafe und Sperre drohen


Gegen die Bernauer Reiterin sind laut Informationen dieser Zeitung zwei Anzeigen erfolgt. Zum einen bei der Landeskommission, die für alle Reitsportturniere in Brandenburg zuständig ist. Sie ermittelt nun wegen des Verstoßes gegen das Turnier-Regelwerk.

Eine zweite Anzeige soll wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gestellt worden sein. In diesem Fall muss das zuständige Veterinäramt entscheiden, ob es zur Strafverfolgung kommt. Dressur-Reiterin Franziska E., die sich den Manipulations- und Tierquälerei-Vorwürfen ausgesetzt sieht, wollte sich auf Nachfrage nicht zu den Vorwürfen äußern. „Ich brauche zu nichts Stellung beziehen“, sagt die Bernauerin. Sie hat eine Ausbildung zur Pferdewirtin absolviert und arbeitet als Bereiterin und Trainerin auf einem Barnimer Reiterhof.

Die Zunge eines Pferdes am Gebiss festzubinden, ist grundsätzlich kein Kavaliersdelikt. „Die Zunge ist nicht nur beim Menschen, sondern auch beim Pferd ein sehr sensibles Organ“, erklärt der Brandenburger Tiermediziner Michael Köhler, der zugleich Tierschutzbeauftragter des Landesverbandes ist. „Die Zunge wird vor allem zum Futtertransport gebraucht. Bindet man die Zunge am Gebiss an, können Blutgefäße abgedrückt werden. Dadurch können Teile der Zunge absterben“, so Michael Köhler, der seit 28 Jahren als Veterinär tätig ist.

Die Bernauer Reiterin wurde laut LPBB-Geschäftsführer Fröhlich von der Landeskommission bereits um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten. Sie selbst stritt auf Nachfrage ab, bisher Post bekommen zu haben.

Das weitere Prozedere sieht so aus: Zunächst muss der zehnköpfige Vorstand der Landeskommission, der als Gremium für die Beaufsichtigung von Turnieren zuständig ist, entscheiden, ob er über den vorliegenden Fall selbst entscheidet, oder ob er ihn an das Schiedsgericht des Landesverbandes weiterleitet.

Möglich ist laut LPBB-Mann Fröhlich auch, dass man den Fall gleich an eine höhere Instanz abgibt, nämlich an das Große Schiedsgerichts der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Sollte sich der Verstoß bewahrheiten, drohen der Bernauer Reiterin weitreichende Konsequenzen. Geldstrafe, Sperre, Aberkennung der Trainerlizenz – all das sind mögliche Szenarien. Der Verbands-Geschäftsführer Fröhlich sagt: „Wir werden gegebenenfalls alles rechtlich prüfen.“

Fälle dieses Schweregrades gebe es laut Fröhlich höchstens „zwei, maximal drei“ pro Jahr. Die große Masse der Reitsportler, 16 000 sind es derzeit in Berlin-Brandenburg, halte sich an die Vorgaben.

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