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Nach Foto-Fahndung : Zug-Schläger stellen sich

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Widersprüchliche Aussagen zum Ablauf der Tat

svz.de von
erstellt am 25.Sep.2014 | 23:15 Uhr

Den drei Männern, die am vergangenen Samstag eine Familie in einem Regionalzug im östlichen Brandenburg zusammengeschlagen haben sollen, blieb kaum eine andere Wahl; sie gingen am Mittwoch in Berlin zur Polizei und stellten sich. Der Sprecher der Bundespolizei, Mike Gauer, sagte gestern, der Fahndungsdruck durch die im Fernsehen und in Zeitungen veröffentlichten Bilder sei zu groß geworden.

Alle drei wohnen in Berlin, einer in Spandau, zwei in Neukölln. Der 26-jährige Mann hat eine polnische Staatsangehörigkeit. Der 27-Jährige und der 17-Jährige sind Onkel und Neffe mit deutschem Pass und polnischer Herkunft.

Die drei Männer und die Familie, ein 29 Jahre alter Vater, seine 32 Jahre alte Frau und der 6-jährige Sohn, gerieten am Samstagabend in einem Zug der privaten Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) östlich von Berlin, zwischen Münchehofe (Dahme-Spreewald) und Strausberg (Märkisch-Oderland), aneinander.

Die drei Männer waren wohl sehr laut. Möglicherweise auch stark betrunken, wie die Familie aussagte. Die verdächtigen Männer bestreiten das. Der Familienvater bat um mehr Ruhe, auch wegen des müden Kindes. Dann gab es Ärger.

Ab dem Zeitpunkt, „an dem sich aus der verbalen eine tätliche Auseinandersetzung entwickelte, gehen die Darstellungen auseinander“, sagt der Sprecher der Bundespolizei, die für den Zugverkehr zuständig ist. Nach Aussagen der Opfer prügelten die drei Männer mit Fäusten auf sie ein, auf den Kopf des Vaters, auf die Frau, die dazwischen ging. Selbst der kleine Junge wurde verletzt. Die Familie kam mit Platzwunden und Blutergüssen ins Krankenhaus. Die Männer flohen beim nächsten Zug-Halt.

Nun berichteten die drei Männer in ihren Vernehmungen von einem anderen Ablauf, wie Polizeisprecher Gauer sagte. Es habe hier „widersprüchliche Aussagen“ gegeben, weil die Täter eine „eigene Wahrnehmung des Tatablaufs“ hätten. Dabei geht es auch um die Frage, wer zuerst vom Reden und Pöbeln zum Schubsen und Prügeln wechselte, und wer eigentlich wen geschlagen hat. Einer der Verdächtigen betonte bei der Polizei, er habe sich vor allem gestellt, um den Beschuldigungen zu widersprechen.

Die Chancen für Polizei und Staatsanwaltschaft, die Wahrheit zu finden, stehen nicht schlecht, wie Gauer sagt. „Wir haben die Filmaufnahmen und es gibt weitere Zeugen, die wir befragen.“


Schaffner sollen von „Gaza-Streifen“ reden


Nach einem Bericht von „Spiegel Online“ fühlen sich auch viele Schaffner in Berlin und Brandenburg nicht sicher. Zitiert wird ein 50-Jähriger, der anonym bleiben möchte. „Als Zugbegleiter wurde ich schon so oft geschlagen, beleidigt oder bespuckt, ich könnte ein Buch darüber schreiben. Viele meiner Kollegen wurden von Fahrgästen angegriffen und verletzt“, sagt der Mann. „Bei uns in Brandenburg gibt es ganze Streckenabschnitte, die wir intern nur noch den ,Gaza-Streifen’ nennen. Besonders abends am Wochenende ist die Arbeit in den Zügen dort sehr gefährlich, weil wir Übergriffe fürchten müssen.“

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