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Dragan und Alisha : Ziemlich beste Freunde

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Tierpark kann man den mit der Flasche aufgezogenen ’Amur-Tiger „Jugendlichen“ beim Tollen zusehen.

svz.de von
erstellt am 17.Jul.2015 | 10:00 Uhr

„Hey, habt ihr Euch ein Zelt gebaut?“, fragt Pflegerin Angelika Berkling lachend, während sie ihre Vormittagsrunde durch das Raubtierhaus dreht. Die Äste des Eschen-Ahorns auf der Außenanlage wurden von den beiden Tiger-Kindern im Spiel ordentlich in die Mangel genommen. Nun hängen die Zweige nach unten und formen einen grünen Sonnenschirm. Darunter aalen sich noch ziemlich verschlafen Alisha und Dragan. „Hey Mausi, ist alles in Ordnung?“, fragt die Pflegerin mit liebevoller Stimme in Richtung Tiger-Mädchen, das mit einem Schnaufen antwortet.

Die Tierparkmitarbeiterin ist froh, Alisha wieder bei sich im Alfred-Brehm-Haus zu haben. Denn schließlich war sie es, die das braunweißschwarz-gestreifte Knäuel zu Weihnachten 14 Nächte mit der Flasche zu Hause versorgen musste. Alisha verlangte damals wie ein Menschenbaby alle vier Stunden nach Milch. Ihre Tigermutter hatte nicht genug. Zwei Geschwister waren schon gestorben, und auch Alisha hatte bedrohlich abgenommen. Zwölf Stunden lang versuchte Angelika Berkling alle möglichen Gumminuckel aus. „Irgendwann hatte sie wohl so großen Knast, dass sie die Entscheidung getroffen hat, doch aus dem blöden Gummiding zu trinken“, erzählt sie. Eine Entscheidung für das Leben.

Von dem dramatischen Start spüren die Besucher des Tierparks Friedrichsfelde heute nichts mehr. Kinder drängen sich an der 300 Quadratmeter großen Anlage, die die beiden Tiger nach ihrer Rückkehr Ende Juni aus dem Eberswalder Zoo bezogen haben. Schon kurz nach Ankunft in Alishas Heimat hatte Dragan seinen neuen Lieblingsplatz ausgemacht. Den höchsten Punkt eines dicken Baumstamms, der quer in der begrünten Anlage liegt. „Oh, ist der schön“, schwärmt ein Besucher, als sich Dragan auf seiner Aussichtsplattform ausstreckt. „Die Tiger hören die Bewunderung am Ton der Stimme und werden dann vor Stolz gleich noch ein paar Zentimeter größer“, sagt Berkling. Gewachsen sind beide sowieso schon ordentlich. Jeder verschlingt inzwischen anderthalb Kilo Fleisch täglich. Ihre Pranken sind mittlerweile größer als Berklings ausgestreckte Hand. Deswegen würde sie nun auch nicht mehr zu Alisha in den Käfig steigen. „Nicht, dass sie mich beißen würde. Aber sie würde so mit mir spielen, dass es für mich nicht mehr schön wäre“, erklärt die 46-jährige Pankowerin.

Artgerecht toben kann Alisha nun mit ihrem drei Monate älteren Freund Dragan. Auch seine Mutter hatte keine Milch und verstieß den kleinen Kater kurz nach der Geburt im Oktober. Damit er überlebt, musste sich seine Eberswalder Pflegerin Milch auf den Finger träufeln. Denn auch ihm fiel es anfangs schwer, an Gummi zu saugen. Damit die beiden Flaschenkinder trotzdem nicht zu sehr von Menschen geprägt werden, wurden sie im März im schönen Eberswalder Zoo miteinander bekannt gemacht. „Die haben sich auf den ersten Blick verstanden. Das war ein großes Glück“, sagt Berkling. Dass sich zusammengeführte Tiger auf Anhieb vertragen, sei keine Selbstverständlichkeit, weiß die Tierpflegerin, die in 30 Berufsjahren schon viele Raubkatzen großgezogen hat. „Die sind wie sechsjährige Menschenkinder“, sagt Angelika Berkling. Nur dass ihr Balgen noch wilder wirkt. Wenn Alisha im Kampf unter Dragan auf dem Boden liegt und zur Kapitulation die Pfoten von sich streckt, lässt das Tiger-Männchen sofort von ihr ab. Aber nicht immer ist der größere Dragan der Gewinner. „Alisha hat mehr Ausdauer, typisch Frau eben“, sagt Angelika Berkling. Ob aus den ziemlich besten Freunden auch ein Paar wird, ist offen. Wenn sie geschlechtsreif sind, könnte das Europäische Zuchtprogramm für die bedrohten Amur-Tiger auch andere Partner in anderen Zoos vorschlagen. Bis mindestens Ende des Jahres sollen sie in Berlin aber erst einmal glückliche Kindertage verleben.

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