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Fredersdorf : Zauneidechsen müssen umziehen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Deutsche Bahn schafft ein Biotop in Fredersdorf als Ausgleich für Baugelände in Berlin-Schöneweide

Zwischen Dornensträuchern, meterhohem Gras und Gestrüpp sind Schwellen und Schotter die letzten sichtbaren Spuren des Rangierbahnhofs Schöneweide, der Ende der 90er-Jahre stillgelegt worden ist. Lange Zeit galt das Gelände um die immer weiter verfallenden Bahnanlagen als unerschließbar. Bis auf die „Dampflokfreunde Berlin“ hat sich seitdem kaum jemand hierher verirrt. Das wird sich nun ändern.

Bis 2015 soll auf dem über 40 Hektar großen Gelände ein Gewerbegebiet entstehen. Baubeginn ist im Herbst dieses Jahres. Um die Brachflächen mit der Wissenschaftsstadt Adlershof und dem Landschaftspark Johannisthal zu verbinden, muss ein Teil der Gleise umgelegt werden. Doch bevor die Bahn damit beginnen kann, muss ein neuer Lebensraum für Tausende Zauneidechsen her.

Seit Mai schlängeln sich 50 Zentimeter hohe Zäune aus dunkelgrüner Plane quer durch das überwucherte Gelände. An den Zäunen entlang sind in Abständen von rund zehn Metern Eimer eingegraben, in welche die Eidechsen fallen, wenn sie sich nähern.

Philipp Lausch und seine Kollegen von der Firma Stackelitz, die von der Bahn für die Umsiedlung beauftragt wurde, brauchen jeden Nachmittag bis zu fünf Stunden, bis sie alle Eimer einmal geleert haben. Dann beginnt das große Zählen.

Über Nacht befinden sich die Tiere in transparenten Boxen aus Plastik in einem Bahngebäude. „Wenn es kühler wird, verlangsamt sich der Stoffwechsel und die Eidechsen sind weniger aktiv“, erklärt Bahn-Mitarbeiter Wolfgang Stahnke, der das Projekt leitet. Das sei auch der Grund dafür, warum die Zauneidechsen am frühen Nachmittag, wenn die Sonne am höchsten steht, gefangen werden.

Am nächsten Morgen lädt Philipp Lausch die Kisten ins Auto und fährt ins brandenburgische Fredersdorf. Auf dem Gelände des ehemaligen Jochmontageplatzes zwischen den Bahnhöfen Fredersdorf und Neuenhagen sind in Abständen von wenigen Metern hüfthohe Haufen aus Stamm- und Astholz aufgestapelt.

Behutsam holt der Biologe eine Eidechse nach der anderen aus der Kiste und setzt sie auf einen der Baumstämme. „Wir versuchen, die Eidechsen so schonend wie möglich umzusiedeln“, sagt Philipp Lausch.

Seit Februar wird das derzeit rund zwei Hektar große Gelände für die Umsiedlungen vorbereitet, die im Mai begonnen haben und noch bis zum nächsten Jahr dauern. Bis auf 15 Hektar soll das Biotop noch vergrößert werden, wovon rund die Hälfte der Fläche für die Zauneidechsen vorgesehen ist. Nicht nur die Reptilien sollen einen neuen Lebensraum finden. Für die zurückkehrenden Zugvögel wird der verdichtete Boden aufgelockert und Kleingehölz gerodet. Außerdem wird Magerrasen gesät.

Die Kosten für das Bauprojekt, zu dem auch die Umweltschutzmaßnahmen gehören, belaufen sich auf einen Betrag im zweistelligen Millionenbereich. Das Vorhaben wird nicht nur von der Deutschen Bahn, sondern auch durch GRW-Mittel zur Verbesserung der Wirtschaftsstruktur von Bund und Ländern finanziert.

 

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