Brandenburg : Wolf wird zum Feind der Jäger

100 Wölfe, manche sprechen von bis zu 150 Tieren, soll es in Brandenburg geben. Das spüren die Jäger.
100 Wölfe, manche sprechen von bis zu 150 Tieren, soll es in Brandenburg geben. Das spüren die Jäger.

Einbußen trüben Stimmung bei Waidmännern. Umweltamt registriert Verhaltensänderungen bei Waldtieren

svz.de von
21. November 2014, 12:00 Uhr

Die Stimmung ist derzeit bei vielen Herbstjagden eher gedämpft. Auch die landesweite Statistik zeigt, dass die Waidmänner deutlich weniger Wild vor die Flinte bekommen als in vergangenen Jahren. Die Ursachen dafür sind offiziell unklar, aber immer häufiger wird zur Begründung auf den Wolf verwiesen.
Ein ehemaliger Truppenübungsplatz in Potsdam-Mittelmark an der Grenze zu Sachsen-Anhalt. Es ist Jagd. 140 Teilnehmer. Die Ausbeute: sieben Stück Wild. „Vor ein paar Jahren waren es bei der gleichen Jagd 100 Stück“, sagt Horst Battig vom Jagdverband Belzig. „Wir merken bei jeder Jagd den Einfluss des Wolfs.“

Battig hat noch mehr Zahlen parat. So seien bei einer Hegegemeinschaft in der Region die jährlichen Damwild-abschüsse von 700 auf 200 eingebrochen. Um die Bestände vor Übernutzung zu schützen, hätten die Jäger zudem bereits die Abschusspläne für Damwild um 15 Prozent reduziert. Battig schimpft nicht darüber. Es sei nun einmal so, dass der Wolf politisch erwünscht ist und unter besonderem Schutz steht.

Aber er fordert Ehrlichkeit in der Debatte, und die geht für ihn damit los, dass es nach seiner Einschätzung derzeit bis zu 150 Wölfe in Brandenburg gibt, und nicht wie vom Landesumweltamt kommuniziert lediglich 100. „Und zur Ehrlichkeit gehört auch die Feststellung, dass er Wild in Größenordnungen vernichtet.“

Achtmal fünfmal 365, lautet Battigs Rechnung für den jährlichen Fleischverbrauch eines Wolfsrudels. Acht Tiere, die jeweils am Tag fünf Kilo verzehren. Ergebnis: 14,6 Tonnen Wild pro Jahr und Rudel. „Es ist doch klar, dass das dann woanders fehlt.“ Brandenburgweit wurden laut Jagdstatistik im abgelaufenen Jagdjahr 2013/14 knapp 13 000 Stück Damwild erlegt, zehn Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Steffen Butzeck, Wolfsexperte beim Landesumweltamt, leugnet die Zusammenhänge zwischen wachsendem Wolfsbestand und sinkender Jagdausbeute nicht. „Aber Ursache ist weniger, dass der Wolf so viele Tiere frisst, sondern dass sich das Verhalten des Wilds mit dem Aufkommen des Wolfs verändert“, schätzt Butzeck ein. „Die Tiere sind jetzt aufmerksamer, verbergen sich im Wald, suchen andere, vielleicht sicherere Plätze zum Äsen.“

Butzeck, selbst kein Jäger, kann angesichts der Entwicklung verstehen, „dass die Mehrheit der Jäger nicht Hurra ruft, wenn die Zahl der Wölfe steigt“. Aber die Waidmänner seien nunmal nur eine gesellschaftliche Gruppe unter vielen. Insgesamt sei die Akzeptanz für den Wolf sehr groß. Auch könne keine Rede davon sein, dass die Wölfe in dem Maße in die Bestände eingreifen, dass sie quasi zum natürlichen Gleichgewicht im Wald beitragen. „Es bleibt für die Jäger genug zu tun. Aber klar ist auch: Der Wolf ist für sie eine Herausforderung“, sagt Butzeck. So sei es unter Umständen notwendig, dass die Waidmänner ihre Jagdtechniken überprüfen, dem Wild intensiver nachgehen. „Die Frage ist, wie viele Jäger dazu bereit sind. Das kostet mehr Zeit und für die meisten ist die Jagd lediglich ein Hobby.“

Ein anderes Problem, dass die Jäger mit dem Wolf haben, weist Steffen Butzeck als Gerücht zurück. So beklagen Horst Battig und andere Jäger, dass Schwarzwild in Wolfsgebieten zunehmend in Großrotten von bis zu 40 Stück unterwegs sei. „Sie schließen sich zum Schutz vor dem Wolf in größeren Gruppen zusammen“, erklärt er. Vor allem Frischlinge seien beliebte Ziele von Wölfen. „Dass Problem ist nun, dass diese Großrotten enorme Schäden anrichten, wenn sie den Wald verlassen und sich auf Feldern und Äckern bewegen“, gibt Battig zu bedenken.

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