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Panorama BB

17. Dezember 2017 | 07:28 Uhr

Wo Ulme und Eiche sterben

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Gärtner und Denkmalpfleger suchen nach Rettungsmöglichkeiten für bedrohte Parks – wie den von Sanssouci

svz.de von
erstellt am 05.Sep.2014 | 17:13 Uhr

Hans-Joachim Schellnhuber, weltweit anerkannter Experte vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung, macht es kurz. Zu Beginn der dreitägigen Konferenz „Historische Gärten und Klimawandel“ stellt er fest: Die Erderwärmung ist nicht mehr aufzuhalten. Gelingt es, sie bei zwei Grad einzugrenzen, können große Teile des Weltkulturerbes bewahrt werden. Schon bei drei Grad und steigendem Meeresspiegel um mehr als vier Meter sind 138 Welterbestätten bedroht. Aber auch die anderen Unesco-geschützten Kulturgüter wie die Gärten von Sanssouci müssten sich mit verstärkten Unwettern, Trockenheit, Bränden und einer Vielzahl neuer Schädlinge herumschlagen.

Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes, hat konkrete Zahlen für die Region. Der Vegetationsbeginn hat sich immer weiter nach vorn verlagert. 1951 lag er am 70. Tag des Jahres, 2014 am 47. Auch der Befall von Schadinsekten beginnt immer früher, eine noch nicht zu erklärende Frühjahrstrockenheit ist zu verzeichnen, und längere Hitzeperioden drohen. Viele heimische Pflanzen haben sich angepasst und halten mehr Hitze aus, vorausgesetzt, sie haben genug Wasser.

Was heißt das für die Gärten und Parks? Monica Luengo vom Internationalen Rat für Denkmalpflege (Icomos) verwies darauf, dass Gärten sich auch in den vergangenen Jahrhunderten verändert haben. Sie könne sich vorstellen, dass gefährdete Baumgruppen durch andere Bäume ersetzt werden, wenn sie in Form und Farbe den Vorgängern ähneln und so der Geist des Gartenkunstwerkes bewahrt werden kann.

Michael Rohde, Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, kennt das Problem. Das Ulmensterben wird seit Jahrzehnten beobachtet. Hier hofft Rohde auf neue resistente Sorten. Wie er stark angegriffene Eschen und Eichen ersetzen soll, weiß er aber noch nicht. Auch die Fichte ist in Gefahr. Ihr fehlt Feuchtigkeit. Einige Jahre wurde eine Fichtenallee im Sommer täglich mit Wasser besprüht. Das kann sich die Stiftung auf Dauer nicht leisten.

Unwetter können für Parkanlagen auch Positives haben. Luengo verwies auf Versailles. Dort hatte ein Sturm Ende der 1990er-Jahre eine Schneise der Verwüstung durch den Park gezogen. Als sich der erste Schrecken über den Verlust gelegt hatte, sahen die Gärtner eine Chance, alte Sichtachsen wieder herzustellen und durch Neupflanzungen Gartenräume entstehen zu lassen, wie sie Ludwig der XIV. anlegen ließ. Auch in Sanssouci ist der Baumbestand in den vergangenen Jahrhunderten üppig gewachsen. Michael Rohde stört die Hauptallee, wo die Linden viele Meter zu hoch sind, sodass sie zwar eine beeindruckende Schlucht bilden, aber den Blick auf das Neue Palais fast vollständig verdecken.

Brigitte Mang, Direktorin der Österreichischen Bundesgärten, warnt vor Panikmache. Noch seien die Baumbestände in ihren Gärten nicht so gefährdet, dass man an andere Arten denken müsse. Allerdings geschehe es immer öfter, dass bei starken Winden ganze Teile im Park von Schönbrunn wegen der Gefahr herabfallender Äste gesperrt werden müssen. Mittelfristig müsse man die Klimaveränderungen im Blick haben, sagt Mang. Zurzeit seien die Gärten jedoch in erster Linie durch zu knappe Budgets und einen steigenden Nutzungsdruck durch Besuchermassen und Großveranstaltungen gefährdet.

Einigkeit herrschte bei den Experten aus mehreren europäischen Gärten, dass es vor allem an Wissen mangele. Das betrifft sowohl alte gärtnerische Techniken – beispielsweise die Stämme von Ziergehölzen durch Anstriche vor zu viel Sonne zu schützen. Aber auch die Wissenschaft sei gefragt. In einer internationaler werdenden Welt breiten sich Schädlinge grenzenlos aus. Bislang würde dies jedoch nur im Zusammenhang mit der Landwirtschaft, nicht aber in Bezug auf Parkpflanzen untersucht.

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