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Jagdhunde : Wirbel um aufgespießten Terrier

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Tod eines Jagdhunds: Am Pranger steht jener Schafbesitzer, der zugestochen hat – Juristisch ist ihm wohl kaum etwas vorzuwerfen

svz.de von
erstellt am 28.Okt.2014 | 07:55 Uhr

Es geschah am 9. Oktober. Wildschweinjagd in der Uckermark, Terrier Bodo mittenmang, plötzlich ist er weg. Andreas W. macht sich auf die Suche nach seinem Schützling. Bodo trägt ein GPS-Halsband. Die Spur führt auf das nahegelegene Grundstück eines Ökobauern. Der will niemand auf seinen Hof lassen, ruft: „Ein Hund hat meine Schafe angegriffen.“ Andreas W. verschafft sich Zugang, findet seinen Hund mit der Mistgabel am Boden fixiert. Ein Zinken hat den Lungenflügel durchbohrt. Trotz mehrerer Operationen kann Bodo nicht gerettet werden. Gegen den Schafbesitzer liegt nun eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und Sachbeschädigung vor. Er selbst geht wegen Hausfriedensbruchs gegen den Jäger vor.

Der Landesjagdverband Brandenburg zeigt sich „geschockt von der Kaltherzigkeit“ des Schafbesitzers. „Der kleine Hund wog nicht mehr als sieben Kilogramm, da kann man seine Schafe auch anders verteidigen“, heißt es in einer Stellungnahme. In den sozialen Netzwerken ist die Stimmungslage eindeutig: Der Bauer habe völlig überreagiert und gehöre bestraft.

So sehen es auch Tierschützer, in seltener Einigkeit mit der Jägerschaft. „Natürlich ist es kurios, dass sich ausgerechnet die Jäger über solch eine Attacke beschweren, die selbst streunende Katzen und wildernde Hunde erschießen“, sagt Jörg Styrie, Geschäftsführer des Bundesverbands Tierschutz.

Dennoch hätten sie Recht mit ihrer Klage über den Schafbesitzer. Der dürfe seine Tiere verteidigen, müsse aber dafür das mildeste Mittel wählen, sagt Styrie. Ihn treten, mit Steinen bewerfen etwa. „Aber der Mann hat den Hund mit Vorsatz schwer verletzt, seinen Tod billigend in Kauf genommen.“ Noch schwerer wiege, dass er ihn liegen gelassen habe, statt Hilfe zu holen. Für Styrie ist die Sache klar: Der Bauer hat eine Straftat begangen, auf die bis zu drei Jahre Haft stehen.

Renate Seidel, Vorsitzende des Tierschutzverbands Brandenburg, gesteht, dass der Fall bei ihr „die Emotionen hochkochen lässt“. Es war ein kleiner Hund, gibt sie zu bedenken. Auch wenn der Schafbesitzer im Affekt gehandelt hat, als er zustieß, sei es „verwerflich“, das verletzte Tier so seinem Schicksal zu überlassen.

Georg Calsow, auf Tierrecht spezialisierter Rechtsanwalt in Berlin, kann die moralische Entrüstung verstehen, aber strafrechtlich relevant sei das Verhalten des Ökobauern in seinen Augen nicht. „Wenn der Hund die Schafe angegriffen hat, muss der Bauer das mildeste Mittel zur Abwehr wählen. Aber es darf durchaus ein effektives Mittel sein“, betont Calsow. „Vielleicht hat er etwas anderes versucht, bevor er zustach. Das wird man wohl nie erfahren.“

„Irrelevant ist nach Einschätzung des Anwalts der Verweis auf das geringe Gewicht des Hundes. „Das war ein Jagdhund und kein Pudel, der sonst nur auf dem Sofa sitzt.“ Calsow sieht außerdem bei Bodo und seinem Herrchen Defizite. „Ein Jagdhund, der ein Schaf nicht von einem Wildschwein unterscheiden kann, ist selber schuld, wenn er in Schwierigkeiten gerät.“ Auch im Liegenlassen des verwundeten Hundes sieht der Anwalt keinen justiziablen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. So etwas wie unterlassene Hilfeleistung gebe es gegenüber Hunden nicht. „Was konkret hätte er denn für den Hund tun sollen?“, fragt der Experte. „Der Notarzt kommt nicht, der ADAC auch nicht.“

Eine ganz andere Lehre zieht Frauke Förster, Vorsitzende des Prenzlauer Tierschutzvereins, aus dem Fall: „Das Grundproblem ist, wie Jagdhunde abgerichtet werden, dass sie dazu erzogen werden, andere Tiere anzufallen.“

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