zur Navigation springen

Umstritten : Wilhelm Pieck bleibt in Guben

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mit zwölf Ja-Stimmen, drei Nein-Stimmen und zehn Stimmenthaltungen ist am Mittwochabend in Guben ein langes Hin und Her zu Ende gegangen. In ihrer Sitzung haben die Stadtverordneten die Sanierung ihres umstrittenen Wilhelm-Pieck-Denkmals auf den Weg gebracht.

svz.de von
erstellt am 29.Aug.2014 | 08:04 Uhr

Mit zwölf Ja-Stimmen, drei Nein-Stimmen und zehn Stimmenthaltungen ist am Mittwochabend in Guben ein langes Hin und Her zu Ende gegangen. In ihrer jüngsten Sitzung haben die Stadtverordneten die Sanierung ihres umstrittenen Wilhelm-Pieck-Denkmals auf den Weg gebracht. Gleichzeitig legten sie fest, dass die Instandsetzung nicht teurer als veranschlagt werden darf.

Laut einem Gutachten würde die Sanierung rund 65 100 Euro kosten. Ursprünglich war von mehr von als 100 000 Euro die Rede. Sowohl das Land als auch der Landkreis haben dem klammen Guben inzwischen finanzielle Unterstützung zugesichert. Der Kreis will 10 000 Euro zusteuern, das Landesamt für Denkmalpflege 30 000 Euro.

Die Entscheidung über eine mögliche Instandsetzung hatten die Stadtverordneten in den vergangenen Monaten aufgrund der unsicheren Haushaltslage und der ausstehenden Fördermittelbescheide immer wieder verschoben. Die CDU-Fraktion im Stadtparlament hätte den Beton-Pieck indes am liebsten abreißen lassen. Allerdings genießt das Monument Schutz durch die Brandenburger Denkmalliste. Der Versuch der Stadtverwaltung, den Bau von der Liste streichen zu lassen, war vor einigen Jahren gescheitert.

Bald nach der Wende hatte sich Guben von seinem Beinamen Wilhelm-Pieck-Stadt getrennt. Auch die Straße, die jahrzehntelang den Namen des berühmten Sohnes trug, ließ man alsbald wieder in Berliner Straße umbenennen. Einzig ein Denkmal ist von der alten Zeit geblieben.

Im Januar 1976 war es zu Ehren des einzigen DDR-Präsidenten und einstigen KPD- und SED-Funktionärs Pieck in einem Plattenbauviertel der Neiße-Stadt eingeweiht worden. Knapp 40 Jahre später ist das Monument vom Verfall gezeichnet. Risse ziehen sich durch die zehn Meter hohe Betonkonstruktion. Die sieben bronzenen Relieftafeln drohen abzufallen.


Lange Disskussion ohne Ergebnis


Schließlich drängte die Linke-Fraktion, die im Stadtparlament die Mehrheit hat, auf eine Sanierung. Auch aus der Stadtverwaltung hieß es zuletzt, dass in jedem Fall etwas gemacht werden müsse. Die bauliche Sicherung des Monuments sei eine Pflichtaufgabe der Stadt.

Allerdings blicken nicht nur CDU-Stadtverordnete kritisch auf Pieck, der einst von der SED-Führung als väterlicher Arbeiterführer dargestellt wurde. Auch in den Reihen der SPD halten viele Abgeordnete den Kommunisten für einen Stalinisten unter Staats-und Parteichef Walter Ulbricht. Damit sei Pieck auch verantwortlich für die Gründung der Staatssicherheit, für Unrecht und Unterdrückung, heißt es.

Aus der politischen Frage, woher das Geld für eine Sanierung genommen werden soll, hatte sich eine zeitgeschichtliche Debatte entwickelt, die auch in der Bevölkerung stattfand. Mehrere Stadtverordnete hatten schließlich zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung eingeladen, um mit zwei Historikern die Frage zu diskutieren, wie es um Pieck als ehrenwertes Vorbild steht. Dutzende Gubener waren gekommen. Doch auch nach zweieinhalb Stunden gingen die Meinungen über Piecks Rolle als Politiker und die Zukunft seines Denkmals weit auseinander.

Jochen Staadt von der Freien Universität Berlin wertete Pieck in seinem Vortrag als einen Politiker, der in der Weimarer Republik die parlamentarische Demokratie ablehnte und einen tiefen Hass gegen die Sozialdemokraten hegte. Als DDR-Präsident habe er keinen Gebrauch von seiner Möglichkeit gemacht, Menschen zu begnadigen, die aus politischen Gründen zum Tode verurteilt wurden, kritisierte der Wissenschaftler. Jochen Hofmann, Sprecher der historischen Kommission der Berliner Linken, urteilte anders. Selbst als einer der mächtigsten Männer der DDR habe Pieck nur ein sehr eingeschränktes Gnadenrecht ausüben können. Er sei kein lupenreiner Kommunist, aber treuer Parteisoldat gewesen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen