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Brandenburg : Wildschweinen geht‘s saugut

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Wildunfälle nehmen zu und in den Städten arbeiten sich die Sauen bis in die Zentren vor. Hat Brandenburg ein Wildschwein-Problem?

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erstellt am 27.Jan.2015 | 08:10 Uhr

Wildschweine werden mancherorts zur Plage. Die Population wächst rasant, Bauern fürchten um ihre Erträge. Wildunfälle nehmen zu und in den Städten arbeiten sich die Sauen bis in die Zentren vor. Hat Brandenburg ein Wildschwein-Problem?

Die Streckenstatistik für das Jagdjahr 2013/2014 irritiert in diesem Kontext. Ein sattes Minus von zwölf Prozent bei abgeschossenem Schwarzwild gegenüber dem Vorjahresergebnis lässt die Vermutung aufkommen, es gäbe in Brandenburg weniger Wildschweine als zuvor. „Die Jagd hängt auch immer von den Wetterbedingungen ab“, sagt Tino Erstling, Sprecher des Landesjagdverbands Brandenburg. Die Jäger waren zunächst auch überrascht über die gesunkenen Zahlen. Aber Wildschweine seien nachtaktiv und würden vor allem bei Vollmond bejagt, so Erstling. „Und wenn die Witterung während einer Vollmondphase, wie im letzten Winter, zum Teil ungünstig ist, hat das Auswirkungen auf die Abschusszahlen.“ Nicht nur die Vollmondphasen beeinflussen das Ergebnis. Wildschweine sind intelligent, sie haben dazu gelernt und ziehen sich in schwer bejagbare Regionen zurück.

Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Tiere in den letzten Jahren, entgegen der Abschusszahlen, sukzessive gestiegen ist. Von einer Plage wie in den südlichen Bundesländern will aber keiner sprechen, zumindest noch nicht.

Nach Ansicht der Fachleute ist die veränderte Kulturlandschaft Ursache für die Bestandszuwächse bei den Allesfressern. Ihr Vorwurf: Durch immer größer werdende Produktionsflächen und eine starke Konzentration auf Mais- und Rapsanbau ist die Bejagung des Schwarzwildes deutlich schwieriger. „Die Vermaisung der Landwirtschaft nimmt zu. Das sind ideale Lebensbedingung für Wildschweine“, sagt Heidrun Schöning vom Naturschutzbund (NABU) Brandenburg.

Erstling ist derselben Meinung: „Das hängt mit der Landwirtschaft zusammen.“ Die 12  000 Jäger in Brandenburg machen seiner Meinung nach einen guten Job. Vermutlich werden auch die Abschusszahlen in diesem Jahr wieder nach oben gehen. Aber in Anbetracht potentieller Millionenschäden, die allein eine Rotte verursachen könne, würden sich Jäger zweimal überlegen ob sie für bestimmte Flächen das Jagdrecht pachten, erklärt Erstling. „Jäger sind über diese Verträge gegenüber Landwirten häufig entschädigungspflichtig. Das kann bis in den Ruin führen.“ In Brandenburg sei es aber noch nicht so weit gekommen, die Jäger seien im gesamten Land sehr aktiv.

Christina Stettin Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands Prignitz, sieht hingegen die Waidmänner in der Pflicht. „Als Jäger muss ich auch etwas tun, damit die Bejagung erfolgreich ist. Man muss auf Landwirte zugehen, mit ihnen zum Beispiel über die Einrichtung von Jagdschneisen sprechen.“

Aber die Landwirtin appelliert auch an ihre Kollegen. Es sei am wichtigsten, dass man miteinander Kontakt hält, um Probleme auszuräumen. „Wir in der Prignitz haben gute Verbindungen zu den Kreisjagdverbänden. Alle sind um einen Konsens bemüht.“

Die klassische Konfliktlinie zwischen Bauern und Jägern gebe es in der Problematik nicht. Warum auch, merkt Stettin an: „Wild ist nun mal herrenlos und schert sich nicht um die Belange der Bauern und der Jäger.“ Oder anders: Keine Sau interessiert sich für die Menschen.

Landwirtin Stettin geht in ihrer Freizeit selbst jagen und ist um gute Zusammenarbeit bemüht. In der Frage der Ursache für die wachsenden Wildbestände wird sie aber deutlich. Es sei kein Problem großer Kulturen. „Und Monokulturen gibt es nicht. Es gibt Kulturen. Mais, Raps und Getreide – das sind alles Kulturen!“ Solange Landwirte im gesetzlichen Rahmen handeln sehe sie keine Probleme. Das riesige Rotten über Felder herfallen sei indes nicht hinnehmbar. Die Felder müssten daher bestmöglich bejagt werden, betont Stettin.

Ein gutes Verhältnis zwischen Jägern und Landwirten sei umso wichtiger, da mit der Afrikanischen Schweinepest neue Sorgen vor der Tür stehen könnten. Die Tierseuche breitet sich zurzeit in Ostpolen aus. Sie wird vor allem durch Wildtiere übertragen. Es winkt ein neues Problem. Bis dahin bleiben der Dialog und die Hoffnung auf wolkenfreie Vollmondnächte.

 

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