Potsdam : Wiedersehen der Wendekinder

Fotowand Lebenswege von Wendekindern - Wiedersehen nach zehn Jahren.
Fotowand Lebenswege von Wendekindern - Wiedersehen nach zehn Jahren.

Treffen nach zehn Jahren in Potsdam / Schautafeln skizzieren den Lebensweg der heute Erwachsenen

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23. September 2015, 09:26 Uhr

Als 14-Jährige hatte die Potsdamerin Luisa viele Berufswünsche. Sie wollte alles werden: Fischer, Fußballspieler, auch Schauspielerin war dabei. „Ich bin jetzt Horterzieherin und studiere ab Herbst Pferdewissenschaften in Berlin“, erzählt die heute 25-Jährige.

Luisa ist eine von zwölf Brandenburgern, die 2004 als Jugendliche von der Landeszentrale für politische Bildung befragt wurde. Nach der Ausstellung 2005 unter dem Thema „Wendekinder“ gibt es seit gestern in Potsdam eine Wiederbegegnung mit den erwachsenen jungen Leuten. Auf Schautafeln werden die Jahre 2004 und 2015 einander gegenüber gestellt.

Bei Luisa ist in den zehn Jahren viel passiert, manches wie geplant, anderes nicht. „Die meisten Standpunkte von damals gelten noch“, betont die junge Frau. Heute wie damals kann sie sich über Politik aufregen. „Die Menschen müssen mehr einbezogen werden“, meint sie.

Bei der ersten Begegnung vor zehn Jahren hatten die Mädchen und Jungen gerade ihre Jugendweihe hinter sich, erzählt Ausstellungsmacherin Martina Schellhorn. Alle waren in der DDR zur Welt gekommen und im wiedervereinigten Deutschland aufgewachsen. Ihre Vorstellungen von der Vergangenheit hatten sie über Eltern und Großeltern oder über Filme mitbekommen.

Die Teenager berichteten ohne Scheu über Zukunftswünsche, Träume und Ziele. „Manchmal sprachen sie Themen wie die erste Liebe an, von denen oft nicht mal die Eltern etwas wussten“, sagt Schellhorn. Die Mädchen und Jungen gingen in einem Dorf in der Prignitz, in Wittenberge oder Potsdam zur Schule.

Tim wollte Jura studieren, landete dann bei BWL - der vielleicht einzige Unterschied zu damals. „Meine Wertvorstellungen haben sich nicht verändert“, erzählt der 25-Jährige, nachdem er seine alten Aussagen noch einmal gelesen hat. DDR-Geschichte fand er damals interessant, ließ sich viel von den Eltern erklären.

„Ich gehöre zu der Generation, die das alles nicht mehr live mitbekommen hat“, meint Tim. „Es ist für mich kein primäres Thema mehr. Ich sehe mich als Gesamtdeutschen.“ Es sei schwieriger geworden, die jungen Leute zu erreichen, hat Schellhorn festgestellt. Für Studium, Job oder Liebe haben die meisten ihre Heimatorte verlassen. Eine befragte Brandenburgerin studiert jetzt in Istanbul.

Robert ist beispielsweise unter Druck und bereitet sich auf eine Prüfung an einem Technologie-Institut vor. Für das Gespräch mit Schellhorn fand er nur wenig Zeit.

Robert wusste schon als Jugendlicher, dass er später in einem Dorf leben will. Dabei blieb es. „In jedem Fall möchte ich eine Arbeit haben, bei der ich zu Hause übernachten kann“, hat der 25-Jährige für sich beschlossen. Für ein geregeltes Leben verzichtet er lieber auf Gehalt.

Luisa ist gespannt, wohin es sie nach dem Studium in Berlin verschlägt. Und Tim weiß eines genau: nach Wittenberge geht er nie zurück - das sagte er schon als Jugendlicher.  

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