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EU-Projekt : Wie wandern Fischotter und Wolf?

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Viele Tierarten legen lange Wegstrecken zurück und passieren auf ihren Wanderungen auch Staatsgrenzen. Doch der Weg ist den Tieren oft verbaut. Siedlungen und Gewerbeanlagen zerschneiden Lebensräume und machen den wandernden Arten zu schaffen.

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erstellt am 31.Jan.2014 | 11:27 Uhr

Viele Tierarten legen lange Wegstrecken zurück und passieren auf ihren Wanderungen auch Staatsgrenzen. Doch der Weg ist den Tieren oft verbaut. Straßen und Schienen, Zäune, Siedlungen und Gewerbeanlagen zerschneiden Lebensräume und machen den wandernden Arten zu schaffen. Deutsche und polnische Naturschützer haben nun in einem Forschungsprojekt Daten Beobachtungen zu einigen Tierarten zusammengetragen, wie Anika Niebrügge, Sprecherin der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, sagte. Eine dieser Tierarten ist der Fischotter.

Zum Erstaunen der Naturforscher läuft der in Brandenburg vom Aussterben bedrohte Fischotter mehr, als dass er schwimmt. Begradigte Gewässer mit steilen Betonwänden ohne Uferzone und Bepflanzung seien für ihn schwer zu passieren, erläuterte Niebrügge. „Aus bislang noch nicht vollständig geklärten Gründen benutzen Fischotter in diesen Fällen oft den Landweg, anstatt zu schwimmen.“ Auch deshalb gerieten sie häufig unter die Räder. Mit Partnern aus Polen und Deutschland hat die Stiftung von November 2011 bis Ende 2013 Bestandsdaten von fünf Tierarten im Grenzland erfasst, von Südbrandenburg bis nach Polen ins Lebuser Land.

Außer dem Fischotter beobachteten die Naturschützer beider Länder den Eisvogel, Bitterling, Wolf und die Europäische Sumpfschildkröte. Diese Tiere könnten in ihrem Verhalten und ihren Ansprüchen an den Lebensraum als Beispiele auch für andere Arten gelten, sagte Niebrügge. Es seien Karten zur Verbreitung dieser Tiere erarbeitet und die Koordinatensysteme vereinheitlicht worden. Die Erkenntnisse sind in einer neu angelegten gemeinsamen Datenbank an der Universität Grünberg gespeichert.

Die vom Aussterben bedrohte Europäische Sumpfschildkröte wurde in Polen beobachtet. Auf deutscher Seite kartierten die Naturschützer potenziell als Lebensraum geeignete Gewässer. Den Eisvogel sichteten die Naturschützer an der Oder und im Schlaubetal, den Bitterling in der Oder und in Poldergewässern.

Zum Wolf hieß es, dass von den deutschlandweit bekannten 25 Wolfsrudeln beziehungsweise -paaren und vier Einzeltieren in Brandenburg derzeit sieben Rudel oder Paare und ein einzelner Wolf lebten. Was müsste sich für wandernde Tierarten ändern? Wichtig seien Hilfen zur Überwindung von Straßen, ein besserer Schallschutz, natürliche Ufer unter Brücken und andere Bodenbeläge, erläuterte Niebrügge.

Das EU-Projekt ist Teil des langfristig angelegten Modellvorhabens „Ökologischer Korridor Südbrandenburg“, das die Stiftung seit 2007 umsetzt. Ziel ist es, für wandernde Tierarten eine ökologische Vernetzung von der Elbe in Sachsen-Anhalt über Südbrandenburg und die Oder nach Polen herzustellen. Das Vorhaben wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, der Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg, der Umweltstiftung WWF und dem Umweltministerium Brandenburg gefördert.

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