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Freie Schulen : „Werden wie Schmarotzer behandelt“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Paukenschlag im Protestantismus: Die Landessynode der Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat ihren obersten Juristen und Chef der Kirchenverwaltung in die Wüste geschickt.

Paukenschlag im Protestantismus: Die Landessynode der Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat ihren obersten Juristen und Chef der Kirchenverwaltung in die Wüste geschickt. Das in Berlin tagende Kirchenparlament stimmte gestern mehrheitlich gegen die turnusgemäße Amtszeitverlängerung des seit 2004 amtierenden 62jährigen Konsistorialpräsidenten Ulrich Seelemann.

Lediglich 44 der 108 Stimmen wurden für Seelemann abgegeben. Der gebürtige Hamburger war in den letzten Jahren für das Aushandeln des evangelischen Staats-Kirchen-Vertrags mit dem Land Brandenburg und die Klage der evangelischen Kirche gegen die Aufweichung des Sonntagsschutzes im Land Berlin verantwortlich. In der Landeskirche hatte es allerdings Kritik an seinem Führungsstil gegeben, der von Mitgliedern des Kirchenparlaments als autoritär empfunden wurde. Zudem war er bei der gestrigen Wahl einziger Kandidat. Nun muss die Kirchenleitung der Landessynode bis zum Herbst einen weiteren Wahlvorschlag vorlegen.

Unterdessen übte der Bischof der EKBO, Markus Dröge, ungewohnt scharfe Kritik am Umgang der Brandenburger Landespolitik mit den Schulen in freier Trägerschaft. In Brandenburg sei das Miteinander von Schulen in staatlicher und freier Trägerschaft nicht selbstverständlich, sagte Dröge während der Synode.

„In den Gesprächen mit der Landesregierung sagt man uns immer wieder, der Staat müsse für jeden Schüler einen staatlichen Schulplatz vorhalten und die Schulen in freier Trägerschaft dürften nicht mit zur Grundversorgung gezählt werden.“ Diese Aussage sei aber „sachlich nicht begründet und eine rein politische Setzung.“ Es dränge sich „der Eindruck auf, dass unsere evangelischen Schulen nicht wirklich gewollt sind.“ Schon heute führten Kürzungen dazu, dass Schulträger ihr Schulgeld erhöhen müssten und weiter existieren zu können. „Dass die dramatischen Kürzungen der Zuschüsse vielfach noch nicht zu Schulschließungen geführt haben, ist den immensen Anstrengungen der Träger und Eltern zu verdanken“, sagte Dröge. „Es ist aber abzusehen, dass die Einbußen nicht mehr lange ausgeglichen werden können.“

Die evangelische Elternvertreterin Barbara Nieter verwies darauf, dass auch die Eltern von Kindern an freien Schulen Teil der Bevölkerung seien und Steuern zahlten. „Teilweise werden wir aber vom Land wie Schmarotzer behandelt.“

Brandenburgs Bildungsministerium wies die Kritik gegenüber dieser Zeitung dagegen zurück. „Grundsätzlich sind die Kirchen im Land Brandenburg gewollt, auch mit ihren Bildungsangeboten“, sagte Pressesprecher Stephan Breiding. Für das kommende Jahr lägen dem Land bereits ein gutes Dutzend Anträge auf die Gründung allgemeinbildender Schulen vor. „Für uns ist es ein Signal, dass die Gründung freier Schulen in Brandenburg weiter attraktiv ist.“


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