Mysteriöser Fall vor Gericht: : Wer gab Emelie das Gift?

Der wegen versuchten Mordes Angeklagte Vater soll seiner damals acht Monate alten Tochter über mehrere Wochen hinweg einen Gift-Cocktail verabreicht haben.
Der wegen versuchten Mordes Angeklagte Vater soll seiner damals acht Monate alten Tochter über mehrere Wochen hinweg einen Gift-Cocktail verabreicht haben.

Wegen versuchten Mordes muss sich der Mann aus Schleswig-Holstein deshalb seit gestern in Potsdam vor dem Landgericht verantworten.

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03. März 2015, 15:46 Uhr

Seine Schilderungen sind die eines liebenden und besorgten Vaters. Doch der Familienvater soll mit giftigen Flüssigkeiten versucht haben, seine kleine Tochter zu töten. Wegen versuchten Mordes muss sich der Mann aus Schleswig-Holstein deshalb seit gesternin Potsdam vor dem Landgericht verantworten. Der 36-Jährige bestreitet die Vorwürfe. „Ich liebe meine Kinder“, sagt der Tierpfleger im Prozess. Ohne die Mutter des Mädchens direkt zu bezichtigen, versucht er den Verdacht auf sie zu lenken. „Ich weiß, dass ich meiner Tochter nie etwas antun könnte“, sagt der unscheinbare Mann mit Halbglatze. Es bliebe nur seine Ex-Partnerin.

Fakt ist: Hinter Emelie liegt ein Martyrium. Über mehrere Wochen wurde dem damals acht Monate alten Mädchen 2014 ein Gift-Cocktail verabreicht. Das Kind fiel ins Koma und schwebte in Lebensgefahr. Nach der Festnahme des Vaters Anfang Juli erholte es sich.

Für die Staatsanwaltschaft ist die Sache klar: Der Angeklagte habe seiner Tochter vom 19. März bis 29. Juni 2014 Desinfektionsmittel oder zitronensäurehaltige Reinigungsmittel gegeben. Selbst als sein Kind im Krankenhaus lag und sich im „lebensbedrohlich komatösen Zustand“ befand, soll der Mann nicht von ihm abgelassen haben. Insgesamt zwölf Fälle listet die Anklage auf.

Das Motiv klingt ungeheuerlich: Die Tochter sei eine Belastung für den 36-Jährigen gewesen und habe ihm bei einer neuen Beziehung im Weg gestanden, so Staatsanwalt Gerd Heininger.

Weil sie nicht mehr zunahm und wuchs, war Emelie ab März 2014 immer wieder ins Krankenhaus gekommen. Erst in Schleswig-Holstein, schließlich in Brandenburg an der Havel. Dort schöpften die Ärzte Verdacht: Der Zustand des Mädchens verschlechterte sich immer im Beisein der Eltern.

Abgesehen von Medizinern und Pflegepersonal waren sie die einzigen, die Zugang zu dem Mädchen hatten.

Die Ärzte vermuteten hinter der Tat ein sogenanntes

Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. Dabei macht ein Mensch einen anderen bewusst krank oder täuscht eine Krankheit vor, um Zuwendung zu erreichen. Häufig sind es Mütter, die ihr Kind auf diese Weise misshandeln.

Anfangs ermittelte die Staatsanwaltschaft Potsdam auch gegen Emelies Mutter. Doch dann konzentrierte sich der Verdacht auf den Vater. Der 36-Jährige sitzt seit Anfang Juli 2014 in Untersuchungshaft. Das Paar, das noch einen gemeinsamen Sohn hat, ist inzwischen getrennt.

Gekriselt hat es wohl schon länger. Nach Schilderung des Angeklagten wollte seine Ex-Partnerin das zweite Kind nicht. Nach der Geburt sei sie mit sich unzufrieden gewesen. „Unsere Beziehung hat dadurch gelitten“, so der Tierpfleger. Es habe oft Streit gegeben. Zu dem Sohn habe die Frau eine innigere Beziehung gehabt als zur Tochter.

Sich selbst schilderte der Angeklagte als fürsorglichen Vater. „Sie lag da. Ich war hilflos. Ich konnte nur ihre Hand halten“, beschreibt er die Situation im Krankenhaus in Brandenburg.

Emelies Rechtsanwältin Manuela Krahl-Röhnisch ist nicht überrascht:  „Er versucht, sich von den Vorwürfen reinzuwaschen.“ Die Mutter sei nachweislich zu einigen der in Rede stehenden Zeitpunkte nicht bei ihrem Kind gewesen. Dem Mädchen gehe es inzwischen wieder gut. „Es ist sehr aufgeweckt“, berichtet sie. Die Kleine war 2014 zunächst zu einer Pflegefamilie gekommen. Inzwischen lebt sie wieder bei der Mutter, die das Sorgerecht hat, in der Nähe von Hamburg.

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