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Fäkalien auf See : Wenn der Kapitän mal muss

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wohin mit den Fäkalien an Bord? Für die wenigsten Boote in der Region ist eine Toilette vorgeschrieben.

Es wurde verkauft wie eine Erfolgsnachricht: Seit 2012 dürfen Fahrgastschiffe mit mehr als 50 Plätzen Fäkalien nicht mehr ins Wasser kippen. Doch dieses Übereinkommen wirft Fragen auf: Was ist mit kleineren Fahrgastschiffen und anderen Privatbooten auf den Gewässern in der Region? Was ist erlaubt? Was nicht?

Weder das Wasser- und Schifffahrtsamt in Eberswalde, noch die übergeordnete Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes in Magdeburg fühlen sich auf Anfrage in der Lage, zu erklären, wer eine Toilette haben muss und wer nicht. „Damit haben wir uns noch nicht beschäftigt“, lautet die Antwort.

Ein Anruf bei der Polizei bringt schließlich Aufklärung. Die Beamten müssen schließlich wissen, worauf sie bei Kontrollen achten müssen. Sprecherin Anja Resmer stellt ihren Ausführungen voran, dass es bundesweit keine einheitlichen Regeln gebe. In Brandenburg seien Einrichtungen zum Sammeln und Entsorgen von Fäkalien und anderen häuslichen Abwässern „ausschließlich für Fahrgastschiffe gesetzlich vorgeschrieben“. Und eben auch nur für jene mit mehr als 50 Plätzen.

Des Weiteren gelte für neu in den Verkehr gebrachte Sportboote, „dass sie über Auffangbehälter verfügen müssen, wenn sie mit Toiletten ausgestattet sind“. Resmer kommt zum Schluss: „Alle übrigen auf den Wasserstraßen verkehrenden Fahrzeuge unterliegen keiner besonderen Ausrüstungspflicht.“ Kontrolliert werden von der Wasserschutzpolizei demzufolge nur jene Boote, auf denen Toiletten und Fäkalientanks gesetzlich vorgeschrieben sind. Eine Statistik über die Zahl der Kontrollen und der Verstöße gebe es nicht, sagt die Sprecherin.

Und was ist nun mit jener Masse an Booten, die nicht unter die genannten gesetzlichen Bestimmungen fällt? Max Hiller, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbands Wassersport Berlin-Brandenburg, kommt ins Grübeln. „Die fehlenden Regeln sind natürlich ein Problem“, räumt er ein. Aber dann bricht er eine Lanze für seine Branche, für alle Wasserfreunde. „Sie leiten die Fäkalien nicht ab, sondern entsorgen sie fachgerecht an Land“, versichert er. „Ich bin wirklich viel unterwegs, aber mir sind noch nie Probleme mit Fäkalien zu Ohren gekommen“, betont Hiller. Außerdem würden behördliche Wassertests den allermeisten Seen stets ein hervorragendes Zeugnis ausstellen, und dabei werde genau auf Kolibakterien geachtet.

Ganz sicher ist er sich, dass kein Fahrgastschiff, auch mit weniger als 50 Plätzen, seine Abwässer in die Seen leite. Selbst das älteste Fahrgastschiff Berlins, die „Heinrich Zille“ von 1896, habe längst keine Außenbord-Toilette mehr. Und für die anderen Bootsleute gelte, dass sie entweder ihren Toilettengang stets an Land erledigen oder aber ihre Fäkalien sammeln, um sie dann in einem Hafen zu entsorgen. „Bei uns in der Region steht das Wasser meist. Wer also auf einer Wochenendtour irgendwo ankert und dann die Fäkalien entleert, steht quasi in seiner eigenen Sch... Das macht doch niemand“, ist Max Hiller überzeugt.

Werner Kratz, Ökotoxikologe beim Naturschutzbund Brandenburg (Nabu), liegt es fern, Kritik an Bootsleuten zu üben. „Ich kenne die gesetzlichen Bestimmungen über Bordtoiletten nicht“, sagt er. Aber der Experte fragt sich seit langem, wieso zum Beispiel der Müggelsee eutrophiert ist, also völlig überfrachtet mit Nährstoffen, was das ökologische Gleichgewicht störe. „Landwirtschaft gibt es am Müggelsee nicht, also werden diese negativen Entwicklungen von den Menschen am Ufer und auf dem See verursacht.“ Auch wenn er keine belastbaren Zahlen vorlegen könne, dürfte klar sein, „dass bei Bootstouren viel illegal entsorgt wird“. Wer glaube, dass die Gewässer das unbeschadet überstehen, der irre sich, gibt Werner Kratz zu bedenken.

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