Das eigene Kind umgebracht : Wenn das Baby nicht gewollt ist

Ermittler auf dem Weg in die Wohnung der mutmaßlichen Täterin: Sie finden den getöteten Jungen im Keller – eingewickelt in ein Handtuch.
Ermittler auf dem Weg in die Wohnung der mutmaßlichen Täterin: Sie finden den getöteten Jungen im Keller – eingewickelt in ein Handtuch.

Eine junge Mutter aus Golzow steht ab dem kommenden Dienstag vor dem Landgericht Frankfurt, weil sie ihr neugeborenes Kind getötet haben soll. Mit einem ähnlichen Fall werden sich Potsdamer Richter demnächst befassen. Es sind keine Einzelfälle.

svz.de von
28. März 2014, 23:07 Uhr

Fünf Monate ist es her, dass Polizisten in einem Mehrfamilienhaus in Golzow (Märkisch-Oderland) die Leiche eines kleinen Jungen entdeckten. Die Obduktion der Leiche ergab, dass der Säugling durch Stiche in Herz und Brust getötet wurde. Die heute 22 Jahre alte Mutter Maika M. hat die Tat gestanden. Motiv: Sie habe sich mit einem weiteren Kind überfordert und in ihrer Lebensführung beeinträchtigt gesehen, formuliert die Staatsanwaltschaft Frankfurt. Maika M. hat bereits eine Tochter im Kindergartenalter.

Die 22-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Ab kommendem Dienstag muss sie sich vor dem Landgericht Frankfurt für die schreckliche Tat verantworten. Die Anklage lautet auf Totschlag.

Was in Golzow geschehen ist, ist kein Einzelfall. Jahr für Jahr werden in Deutschland zwischen 20 und 35 Fälle bekannt, in denen Mütter ihre Kinder umgebracht haben. Experten gehen außerdem von einem großen Dunkelfeld aus.

Ans Tageslicht hingegen war kürzlich auch ein Fall aus Glindow (Potsdam-Mittelmark) gekommen – nur einen Tag vor dem grausigen Fund in Golzow. Damals fanden die Beamten ein totes Neugeborenes auf einem Privatgrundstück – auch diesmal handelte es sich um einen kleinen Jungen. Er wurde nur wenige Tage alt, bevor er erstickt wurde, wie die Obduktion der Leiche ergab.

Die inzwischen 35-jährige Mutter hatte sich schließlich gestellt und die Tat gestanden. Auch sie hat bereits ein Kind, das nun beim Vater lebt. Die Staatsanwaltschaft will demnächst Anklage erheben.

In der Öffentlichkeit werden Mütter, die ihre Kinder töten, nicht selten als Monster und Mörderinnen abgestempelt. Vor Gericht berichten Gutachter jedoch regelmäßig von einem ganz anderen Hintergrund, nämlich dem Phänomen der verdrängten Schwangerschaft. Die Frauen werden von der Geburt überrascht, handeln dann völlig irrational.

Mitunter sind die Frauen von einer schweren Persönlichkeitsstörung betroffen. Manchmal bemerkt selbst das Umfeld die Schwangerschaft nicht, weil Anzeichen wie eine typische Schwangerschaftsfigur teilweise ausbleiben.

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