Pflege-Gutachter erhalten gute Bewertungen : Weiter Kritik an Heim-Noten

Während die Versicherten mit dem Begutachtungen zufrieden sind, gibt es weiter Kritik an den Pflege-Noten.
Während die Versicherten mit dem Begutachtungen zufrieden sind, gibt es weiter Kritik an den Pflege-Noten.

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) ist für die Begutachtung von Pflegebedürftigen aber auch für Qualitätskontrollen zuständig. Während die Versicherten mit dem ersten Bereich zufrieden sind, gibt es nach wie vor Kritik an den Pflege-Noten.

svz.de von
05. Dezember 2014, 13:00 Uhr

Wenn medizinische Gutachter einen Pflegebedürftigen besuchen, dann geht es vor allem um die Frage, ob dieser sich überhaupt noch zu Hause zurechtfindet. „Wir lassen uns zuerst den Tagesablauf schildern und schauen dann nach Barrieren in der Wohnung“, sagt Bettina Jonas, Fachbereichsleiterin im MDK Berlin-Brandenburg. Zudem geht es um das familiäre Umfeld sowie die ärztliche Versorgung. Am Ende steht die Einordnung in eine Pflegestufe.

Erstmals haben sich die MDK-Verbände selbst begutachten lassen. In einer gestern in Berlin präsentierten bundesweiten Befragung wollten sie von 13 000 Senioren sowie deren Angehörigen erfahren, ob diese zufrieden mit der Arbeit der Kassendienstleister sind. „Die positiven Rückmeldungen zeigen, dass unsere Gutachter eine sehr gute Arbeit leisten“, sagt MDK-Landesgeschäftsführer Axel Meeßen. 87 Prozent zeigten sich demnach in der Region mit der Begutachtung insgesamt zufrieden, 82 Prozent fanden die Gutachten verständlich. Gleichzeitig gab es kritische Anregungen: So wurden Defizite bei der individuellen Beratung deutlich. Auch Zeitdruck wurde bemängelt.

Insgesamt leisten 240 Gutachter jährlich 120 000 Hausbesuche in Berlin und Brandenburg. „Immer wieder wird sichtbar, wie groß die Belastung für die Familien ist und wie groß der Beratungsbedarf“, sagt Jonas. In Brandenburg werden nach ihren Erfahrungen die meisten Pflegebedürftigen nach wie vor zu Hause betreut. Der Trend, möglichst lange selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben zu können, sei ungebrochen.

Allerdings stellt sich aus Sicht von Meeßen die Frage, wie lange dies Familien in der Mark noch leisten können. „Die jüngere Generation ist weggezogen“, sagt er. „Hinzu kommt, dass es künftig im ländlichen Raum große Probleme geben wird, professionelle Pflege zu organisieren. Das ist eine Herausforderung für die Politik.“ Laut einer Studie müsste im Jahr 2030 ein Fünftel der Schulabgänger einen Pflegeberuf erlernen, um den Fachkräftemangel aufzufangen. Dies sei illusorisch, so Meeßen.

Der MDK-Landeschef sieht außerdem Reformbedarf bei den Pflege-Noten, die seit Jahren in der Kritik stehen. Zwar seien die Medizinischen Dienste für die Prüfungen verantwortlich, allerdings seien ihnen bei der Veröffentlichung der Ergebnisse die Hände gebunden. Diese würden so weit verdichtet, dass ein geschöntes Bild entstehe, sagt Meeßen.

„Für Angehörige sind die Noten dadurch kein Maßstab, um Einrichtungen zu unterscheiden.“ Die Forderung des Bundespflegebeauftragten Karl-Josef Laumann, die Bewertungen ganz abzuschaffen, teilt er dennoch nicht. „Man muss die Qualitätsberichte in allen Details und in verständlicher Form veröffentlichen“, sagt Meeßen. „Und wir müssen erreichen, dass die Besuche in den Heimen unangemeldet erfolgen dürfen.“

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