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Landwirte, Fischer und Betroffene vor dem landtag : „Weine nicht, wenn der Biber nagt, damm, damm ...“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Potsdamer Landwirtschaftsausschuss wurde über den Biber beraten.

„Weine nicht, wenn der Biber nagt, damm, damm“, singen die Demonstranten aus dem Oderbruch – ähnlich dem Hit von Drafi Deutscher. Und nach der Melodie von „Alt wie ein Baum“: „Bald steht kein Baum mehr an den Deichen, unkontrolliert der Biber sich vermehrt – wann muss der Mensch dem Biber weichen...“ Mehr als hundert Landwirte, Fischer und andere Betroffene von Biberschäden hatten sich gestern vor dem Potsdamer Landtag versammelt.

Der Anlass: Im Landwirtschaftsausschuss steht eine Anhörung von Experten zum weiteren Umgang mit dem Biber auf der Tagesordnung. Denn von der einst vom Aussterben bedrohten Art sind in Brandenburg mittlerweile wieder zwischen 3  000 und 4  000 Exemplare heimisch. Und Fischer, Teichwirte, Forstleute und Bauern klagen zunehmend über Schäden: „Wenn ich als Teichwirt abends ins Bett gehe, muss ich Angst haben, dass der Biber nachts den Abfluss der Teiche mit seinem Damm verstopft und die Gewässer samt den Fischen überlaufen“, sagt der Geschäftsführer des Landesfischereiverbands Lars Dettmann im Ausschuss. Schnell fließende Bäche mit Kiesboden, wie etwa die Stepenitz und ihre Nebenflüsse in der Prignitz, würden zu aufgestauten Tümpeln, „in denen man vielleicht noch Karpfen halten kann.“ Forellen aber fehlte dank des Eingreifens der Biber plötzlich der Laichgrund.

Doch im Ausschuss wurde deutlich, dass eine der wichtigsten Forderungen der Demonstranten, nämlich eine Veränderung des Schutzstatus des Bibers in der europäischen Artenschutzrichtlinie, in nächster Zeit wohl nicht geschehen wird. Würde man den Biber in Anhang V der Artenschutzrichtlinie aufnehmen, fiele er unter das Jagdrecht – doch derartige Pläne gibt es nach Angaben von Stefan Leiner, dem für Natura 2000 zuständigen Referatsleiter in der EU-Kommission derzeit nicht. Ohnehin biete das geltende europäische Naturschutzrecht Flexibilität: „Wenn eine Art örtlich Schäden verursacht, kann man etwas machen“, sagt Leiner. Der seit Mai geltenden Brandenburger Biber-Verordnung jedenfalls bestätigte er, dass sie mit dem Europarecht voll in Einklang stehe. Die Verordnung sieht vor, dass Biber im Einzelfall, wenn etwa Menschen in Gefahr geraten oder wirtschaftliche Existenzen auf dem Spiel stehen, gefangen oder getötet werden können.

Bundesweit gibt es solch eine Verordnung derzeit nur in Bayern. In Sachsen breiten sich die Biber zwar ebenfalls aus – so wurde erst kürzlich ein Tier an der Dresdener Waldschlösschenbrücke beobachtet – die Probleme dort haben aber noch längst nicht die Dimensionen Brandenburgs erreicht. Den Landnutzern jedenfalls geht die Verordnung nicht weit genug. „Das Problem beginnt dort, wo aus einer geschützten Art eine Landplage wird“, sagt der Geschäftsführer des Bauernbundes, Reinhard Jung. „Die Verordnung sieht Einzelfallentscheidungen vor“, sagt die CDU-Landtagsabgeordnete Roswitha Schier. „Aber gerade wenn die endlich entschieden sind, ist es oft schon zu spät.“ Und auch das Regierungslager ließ manche Sympathie zu den Bibergegnern erkennen. „Im Oderbruch geht es nicht nur um die Gefährdung wirtschaftlicher Existenzen, hier geht es um die Gefährdung eines ganzen Siedlungsgebiets“, sagt der SPD-Landwirtschaftspolitiker und Präsident des Landesbauernverbands, Udo Folgart.

Welche Konsequenzen aus der Anhörung zu ziehen sind, wird der Ausschuss freilich erst nach der parlamentarischen Sommerpause, im September, beraten. Dann werden auch Ergebnisse der ersten Monate mit der neuen Biberverordnung vorliegen.

Bis dahin werden die Betroffenen in den ländlichen Räumen durchhalten müssen – und sich mit einem Lied auf den Lippen den Frust vertreiben müssen: „Weine nicht, wenn der Biber nagt, damm, damm...“


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