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Einmalig in Brandenburg : Was tun, wenn’s brennt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Umgang mit Feuer sowie Brandschutzerziehung wird in immer weniger Elternhäusern und Schulen vermittelt. Feuerwehrleute wollen mit einem Floriansdorf in Gräbendorf (Dahme-Spreewald) gegensteuern.

svz.de von
erstellt am 03.Okt.2014 | 08:13 Uhr

Der Umgang mit Feuer sowie Brandschutzerziehung wird in immer weniger Elternhäusern und Schulen vermittelt. Feuerwehrleute wollen mit einem Floriansdorf in Gräbendorf (Dahme-Spreewald) gegensteuern. Morgen wird die Einrichtung – die einzige dieser Art in Ostdeutschland – eröffnet.

Noch wird das Inventar in die Kinderfeuerwache eingeräumt, in einer Ecke steht eine mit Schutzkleidung ausstaffierte Puppe, daneben ein so genanntes Spreizgerät, mit dem Feuerwehren meist Autowracks aufschneiden, um dort eingeklemmte Verletzte zu bergen. Auch an Atemschutzgeräte wurde gedacht. Teure Technik, die Feuerwehrausrüster Jörg Schmidt dem Floriansdorf schenkt.

Der Ludwigsfelder ist selbst Feuerwehrmann – für ihn war selbstverständlich, das Projekt zu unterstützen. Zwar haben die Umbaumaßnahmen im Kinder- und Erholungszentrum (Kiez) am Frauensee rund 650 000 Euro gekostet, die größtenteils über EU-Mittel zusammengekommen sind. Für die Ausstattung sind die Betreiber jedoch auf Sponsoren angewiesen. „Wir haben hier ideale Bedingungen“, sagt Organisator Christian Liebe.

In der in einer ehemaligen Garage eingerichteten Wache soll Kindern die Arbeit der Feuerwehren näher gebracht werden. Dazu wird auch eine Leitstelle im kleinen Maßstab eingerichtet. Tatsächlich sollen die Kinder dann mit rot gestrichenen Bollerwagen ausrücken, Spielzeug-Kettensägen und Miniatur-Pumpen an Bord. „Sie erfahren spielerisch, welche Abläufe notwendig sind, um andere zu retten“, erklärt Liebe.

Der Kreisjugendfeuerwehrwart in Dahme-Spreewald betont, es sei auf dem Gelände des Kinderferienlagers bundesweit erstmals möglich, alle Bereiche zu den Themen Feuerwehren und Brandschutz abzudecken und Projekttage für Schulklassen anzubieten. In den zwei bereits bestehenden Floriansdörfern in Nordrhein-Westfalen, die nach dem Schutzpatron der Feuerwehrleute, dem Heiligen Florian benannt sind, seien die Kapazitäten dafür begrenzt.

Der Bedarf ist nach Auffassung des 36-Jährigen, der im Bundesausschuss der Feuerwehren für Brandschutzerziehung arbeitet, immens. „Über Gefahren wird kaum noch in Schulen und Elternhäusern aufgeklärt“, meint Liebe. „Wir wollen weg von Verboten. Feuer fasziniert Kinder. Sie müssen nur lernen, damit richtig umzugehen.“

Schließlich werden neben der Feuerwache ein „Haus der Gefahren“ sowie eine „Feuerakademie“ eingerichtet. In dem Haus sollen vor allem Unfallquellen gezeigt werden, die zu Verletzungen, Kurzschlüssen oder einem Brand führen können. Dazu kann ein Zimmer mit Nebel gefüllt werden. „Leider passieren immer noch viele tragische Unglücke, weil Kinder nicht wissen, wie sie sich bei Feuer verhalten sollen. Immer wieder verstecken sie sich unter Betten und werden dort zu spät von Feuerwehrleuten entdeckt“, berichtet Liebe. „Wir können das hier trainieren.“ In der „Feuerakademie“ wiederum entsteht ein kleines Museum, welches die Bedeutung des Feuers für die Entwicklung der Menschheit demonstriert. Hier können Kinder selbst einmal unter Aufsicht Kerzen anzünden, den Kamin heizen.

Auch Brandschutzerzieher können auf dem Gelände des Kinderferienzentrums künftig ausgebildet werden – ein Angebot vor allem an Lehrer. Ohnehin hatten Bildungs- und Innenministerium kürzlich mit dem Feuerwehrverband eine Vereinbarung getroffen, dass Feuerwehren einige Unterrichtsstunden gestalten sollen. „Wir hoffen, dass wir Wissenslücken füllen können“, sagt Liebe.

 

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