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Verbraucherzentralen: : Warnung vor Ärztetricks

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Vor wenigen Monaten ist der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes der Krankenkassen (MDS) mit einem Großteil der sogenannten Igel-Leistungen hart ins Gericht gegangen. Jetzt schließen sich die Verbraucherzentralen der Kritik an.

Vor wenigen Monaten ist der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes der Krankenkassen (MDS) mit einem Großteil der sogenannten Igel-Leistungen hart ins Gericht gegangen. Jetzt schließen sich die Verbraucherzentralen der Kritik an und monieren vor allem, dass Patienten oft genötigt würden, Arzt-Leistungen zu kaufen, deren Nutzen nicht belegt ist.

Dazu haben die Experten unter Federführung von Nordrhein-Westfalen das Portal „Igel-Ärger“ gestartet, auf dem Patienten Beschwerden und Erfahrungsberichte loswerden können. „Das ist unser gemeinsames Angebot“, sagt Lisa Högden, Sprecherin der Verbraucherzentrale Brandenburg. Die einzelnen Zentralen hätten sich die Arbeit aufgeteilt, NRW sei für dieses Thema zuständig. „Auch Brandenburger können sich bei dem Portal einbringen.“

Krebsfrüherkennung, Messung des Augeninnendrucks und professionelle Zahnreinigung – das sind populäre und zugleich fragwürdige „individuelle Gesundheitsleistungen“ (Igel). Zu diesem Fazit kam im März der MDS. Diese Leistungen übernehmen die Kassen in der Regel nicht, weil sie als nicht notwendig eingestuft werden, sich laut MDS keine Studien finden lassen, die den Nutzen belegen. Patienten zahlen direkt an den Arzt. Die Beschwerden auf „Igel-Ärger“ drehen sich zum Beispiel darum, dass Zahnärzte den Patienten eine Zahnsteinentfernung (Kassenleistung) verweigerten, wenn sie nicht die bis zu 120 Euro teure professionelle Zahnreinigung kaufen. Andere berichten, sie seien dazu gedrängt worden, zu unterschreiben, dass sie keine solche Zahnreinigung wollen. Zudem werde zuweilen im Arztgespräch eine Weiterbehandlung davon abhängig gemacht, ob der Patient der kostenpflichtigen Reinigung zustimmt.

Ähnliches wird von Augenärzten berichtet, die Patienten demnach zuweilen ganze Ordner vorlegen, aus denen die Betroffenen dann kostenpflichtige Igel-Leistungen auswählen sollen. Tun sie es nicht, kommt entweder ein mürrischer Kommentar der Praxishelferin oder es wird gedroht, die Behandlung zu verweigern.

Der Verbraucherzentrale geht es nach eigenen Angaben darum, auf unlautere Tricks von Ärzten und Praxispersonal aufmerksam zu machen. Die Mediziner hätten die Pflicht, objektiv über Igel-Leistungen zu informieren, was aber nicht immer geschehe. Die Verbraucherschützer raten, sich selbst über die Leistungen zu informieren, sich nicht von einer anpreisenden Werbung beeinflussen zu lassen und nicht unter Zeitdruck setzen zu lassen: „Igel sind niemals dringend.“

Wie weit verbreitet die unseriösen Praktiken sind, geht aus den Informationen auf dem Portal nicht hervor. Nach Angaben der Verbraucherzentrale haben sich innerhalb eines halben Jahres mehr als 1000 Menschen auf dem Portal beschwert.


Infos: www.vz-nrw.de/igel-aerger und www.igel-monitor.de

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