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Vom Pilzhof zur Destillerie

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ronald Schulz will aus Wildobst Schnaps herstellen – nur eine von vielen seiner kreativen Ideen

svz.de von
erstellt am 29.Mai.2015 | 12:11 Uhr

Was er selbst im Garten anbauen kann, ist Ronald Schulz’ Welt. Der 57-Jährige besitzt einen Pilzhof in Krummensee (Barnim). Doch Shiitake und Kräuterseitling sollen nur noch einen Teil seines Sortiments ausmachen. Das neue Standbein vereint Liköre, Wildobstbrände und Kräuterbitter in einer Manufaktur.

Jedes Mal, wenn Ronald Schulz sich bückt, hält er beim Aufrichten ein anderes grünes Pflänzchen in der Hand. „Das ist Wermut, der Hauptbestandteil unseres Kräuterbitteren“, sagt der 57-Jährige. „Aus dem Waldmeister hier machen wir unsere Waldmeisterbowle. Erst, wenn die Blüten und Blätter behandelt werden, setzen sie Cumarin frei. Das ist für den typischen Geschmack verantwortlich.“

Zwischen 40 und 50 verschiedene Kräuter hat der Diplom-Lebensmitteltechnologe auf seiner 5000 Quadratmeter großen Gartenfläche in Seedorf, nur wenige Kilometer vom 400-Seelen-Ort Krummensee entfernt, angepflanzt. Ronald Schulz kennt sie alle und weiß, welche Wirkstoffe sie so wertvoll machen. Wild wachsen sie zwischen dem satten Gras unter etwa dreijährigen Wildobstbäumen wie Apfel, Birne, Mispel oder Kirsche.

„Da hinten wächst Rhabarber. Aus den Löwenzahnwurzeln mache ich Likör“, sagt Schulz und deutet auf die gelben Blüten. „Hier haben wir Spitzwegerich, Salbei, Karde und Wacholder.“ Noch klein sind auch die etlichen Beerensträucher, die aber trotzdem bereits Früchte hergeben. „Es gibt Mehlbeeren, Maulbeeren, Vogelbeeren, Kornelkirsche, die nicht wirklich eine Kirsche ist“, erklärt Schulz. Die Liste ist lang. Aus allen Beeren macht er Marmelade.

Aus den Wildfrüchten und -kräutern stellt er seit drei Jahren Sirup, Likör, Marmelade und Wein her. Viele der Kräuteressenzen, vor allem Wermut, benötigt er für seinen Kräuterbitter, das Hauptprodukt des kleinen Hofladens. „Bislang habe ich nur eine Zehn-Liter-Destille für die Obstbrandproduktion. In diesem Jahr soll aber eine große folgen, die 100 bis 150 Liter fasst“, sagt Schulz.

Die Destillerie und Likör-Manufaktur möchte er zu seinem neuen Kerngeschäft machen. Was die eigenen Jungbäume noch nicht hergeben, kauft Schulz bei regionalen Bio-Bauern dazu. Am Wochenende verkauft der 57-Jährige neben den eigenen Produkten Kartoffeln oder Bienenhonig aus der Region.


Patent vom Bauernhof


Den kleinen Hofladen hat er seit 1996. Damals kaufte der Ur-Berliner den alten Bauernhof im idyllischen Krummensee aus den 1860er-Jahren, sanierte den denkmalgeschützten Kuh- und Hühnerstall und zog mit Frau und Sohn in das Wohnhaus des Grundstücks.

Beliebt bei Besuchergruppen, etwa 100 im Jahr, ist vor allem die Pilzzucht, die er seit vielen Jahren betreibt. Als einer von fünf Pilzhöfen in Brandenburg bietet er nicht nur Frisch- und Trockenpilze zum Verkauf an, sondern fertigt aus Shiitake, einem in der Heilkunde Chinas und Japans verbreiteten Pilz, und Kräuterseitling Kapseln und Tabletten. Erfolge konnte er auch in der Forschung feiern, indem er ein Verfahren entdeckte und patentierte, das sich ein holzzersetzendes Enzym der Pilze zunutze macht und sich deshalb für Bio-Gasanlagen eignet.

Doch die Pilze brauchen extrem hygienische Bedingungen in den Aufzuchtkammern und lassen sich nur schlecht Besuchern präsentieren, findet Ronald Schulz. Der Anbau an den ehemaligen Hühnerstall, der in einigen Wochen fertig werden soll, würde sich besser für Gruppen eignen. Bei schlechtem Wetter bleibe der Hof, der von seinem gepflegten Garten lebt, oft leer. Das wolle er ändern. Auch die größere Destille soll dort zukünftig ihren Platz finden. Neben Verkostungen möchte Schulz auch ein kulturelles Angebot schaffen sowie wechselnde Ausstellungen auf seinen Hof holen. Der große gusseiserne Schriftzug „Pilzhof“ über dem Eingangstor hat also bald ausgedient. Neues Aushängeschild sollen dann die Destillerie und Likör-Manufaktur sein.

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