Sperber ertränkt Eichelhäher : Vogelmord im Gartenteich

Absicht oder nicht? Minutenlang drückte der Sperber seine Beute unter die Wasseroberfläche und fliegt anschließend mit ihr davon.
Absicht oder nicht? Minutenlang drückte der Sperber seine Beute unter die Wasseroberfläche und fliegt anschließend mit ihr davon.

Ein grausames, aber vielleicht bislang auch einzigartiges Naturschauspiel hat Familie Kopp aus Alt Ruppin vor Kurzem vor ihrem Küchenfenster beobachten können. Ein Sperber hat in ihrem Gartenteich einen anderen Vogel ertränkt.

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26. März 2014, 08:08 Uhr

Ein grausames, aber vielleicht bislang auch einzigartiges Naturschauspiel hat Familie Kopp aus Alt Ruppin vor Kurzem vor ihrem Küchenfenster beobachten können. Ein Sperber hat in ihrem Gartenteich einen anderen Vogel ertränkt.

Aufmerksam geworden war Karl-Heinz Kopp auf das Spektakel, weil vor seinem Haus mehr Krach war als üblich. Ein Eichelhäher, der aufgrund seiner lauten Rufe auch als „Polizist des Waldes“ bekannt ist, kämpfte dort flatternd um sein Leben. Ein Sperber hatte das Tier zuvor mit seinen Tod bringenden Krallen gepackt. Und weil sich seine nahezu gleichgroße Beute vehement wehrte, drückte er den Eichelhäher letztlich minutenlang in Kopps Gartenteich unter Wasser. Als sein Opfer tot war, flog der Greifvogel mit ihm davon.

Karl-Heinz Kopp hat dieses Spektakel sogar fotografiert, denn so etwas hatte er als ornithologisch erfahrener Förster und Jäger bislang nicht erlebt – und er hätte es selbst auch kaum glauben können, wenn er es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte.

Ob das, was der Alt Ruppiner beobachtet hat, etwas Besonderes war, darüber sind sich Experten nicht einig. „Ein solcher Fall ist mir noch nicht untergekommen“, sagte Ornithologe Dr. Jürgen Kaatz aus Dranse, nachdem er die Bilder studiert hat, die er auch selbst gern geschossen hätte. „Zu so einer Beobachtung und zu solchen Fotos kann man Herrn Kopp nur gratulieren. So etwas sieht man nur sehr selten“, so Kaatz.

Nach seinem Dafürhalten handelt es sich bei der Angreiferin um ein etwa einjähriges Sperber-Weibchen, das auch deutlich größer und schwerer ist als sein männliches Pendant. „Es hat auch noch so schöne gelbe Augen. Bei älteren Tieren gehen sie eher ins feurige Orange“, so Kaatz. Er vermutet, dass sich das Tier gerade auf einer kräftezehrenden Durchreise befand. Denn derzeit ziehen die Sperber mit Schwärmen von Kleinvögeln aus ihren Überwinterungsgebieten in Südeuropa wieder in Richtung Skandinavien. Seine Beute schlägt der pfeilschnelle Vogel im Flug, indem er sich auf sie stürzt und mit den Fängen greift. Seine Krallen bohrt er so lange in den Körper seiner Opfer, bis diese tot sind.

Weil der Greifvogel mit etwa 280 Gramm und der Eichelhäher mit bis zu 300 Gramm Masse in derselben Gewichtsklasse kämpfen, hält Kaatz es durchaus für möglich, dass der Sperber in dem aktuellen Fall größere Probleme hatte, das Tier zu binden und letztlich mit seinen Krallen zu töten. „Einmal im Jagdtrieb, lässt der Sperber auch nicht wieder los“, sagte Kaatz, der nicht ausschließen will, dass die Sperber-Dame sogar mit Vorsatz gehandelt hat, als sie ihre Beute unter Wasser festhielt. „Das wäre für einen Vogel auch eine ungeheure Intelligenzleistung“, meinte Kaatz.

Genau daran hat Paul Sommer, Leiter der Naturschutzstation in Woblitz (Oberhavel), die auf Greifvögel spezialisiert ist, große Zweifel: „Das muss man sich mal vorstellen, was das für eine kognitive Leistung wäre.“ Er kann sich nicht vorstellen, dass es dem Tier bewusst gewesen sei, dass es den Eichelhäher einfacher töten könnte, indem es ihn unter Wasser drückt. Zudem sei kein Fall bekannt, bei dem Sperber Bezug zum Wasser hätten. „Das war reiner Zufall. So etwas ist auch in keiner Fachliteratur erwähnt“, sagte Sommer. Der Experte, der jeden Tag in Berlin und Brandenburg mit verletzten oder verirrten Greifvögeln zu tun hat, geht davon aus, dass der Sperber sein Opfer im Flug attackiert hat und beide im Kampf einfach in den Gartenteich gestürzt sind. „Ich glaube nicht, dass da ein System dahinter war.“

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