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Handwerkskammern üben kritik: : Viele Betriebe ohne Meisterbrief

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Seit dem Wegfall des Meisterzwangs für viele Handwerksberufe hat sich die Zahl der zulassungsfreien Betriebe in Brandenburg fast vervierfacht.

Seit dem Wegfall des Meisterzwangs für viele Handwerksberufe hat sich die Zahl der zulassungsfreien Betriebe in Brandenburg fast vervierfacht. Handwerkskammern kritisieren diesen Trend. „Wir sehen diese dramatische Entwicklung mit großer Besorgnis“, sagt Frank Ecker, Geschäftsführer der Kammer Frankfurt (Oder). Gab es Ende 2003 noch rund 2400 Unternehmen von Inhabern ohne Meisterbrief, waren es Ende 2014 bereits rund 9500 Firmen, wie aus einer Antwort von Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) auf eine parlamentarische Anfrage hervorgeht.

Anfang 2004 war die Handwerksordnung in Deutschland geändert worden. Für mehr als die Hälfte der 94 Handwerksberufe wurde der Meisterzwang abgeschafft. Erhalten blieb er für 41 Berufe. „Seit 2004 haben sich vor allem Fliesen- und Parkettleger oder auch Raumausstatter ohne Meisterbrief selbstständig gemacht“, berichtet Ecker. Die Handwerker bräuchten nun nicht einmal mehr eine Ausbildung, um ihr eigenes Unternehmen zu gründen.

Auch der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam, Ralph Bührig, sieht die Entwicklung kritisch und berichtet vom Trend zum Kleinstunternehmen. „Die Einkommenssituation ist vielfach schwierig, mit Auswirkungen auf die soziale Absicherung der Selbstständigen“, sagt Bührig mit Verweis auf Beratungsgespräche seiner Kammer mit Handwerkern.

Obwohl die Betriebszahlen deutlich angestiegen seien, habe sich allerdings die Ausbildungssituation dramatisch verschlechtert. „Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse in diesen Berufen ist trotz des Anstiegs der Betriebszahlen um mehr als die Hälfte eingebrochen“, berichtet Bührig. „Der Meisterbrief als Garant für Ausbildung und Qualität im Handwerk wurde entwertet“, bemängelt er.

Nicht zuletzt sei die Konkurrenz sehr stark gestiegen, mit entsprechendem Preisdruck als Folge. „Es ist eine Spirale nach unten“, fasst Ecker zusammen. Umkehren lasse sich diese Entwicklung nicht. „Es ist unrealistisch zu fordern, den Meisterbrief für die entsprechenden Berufe wieder einzuführen“.

Aus seiner Sicht sollte aber der Zoll kontrollieren, ob es sich bei den vielen Unternehmern tatsächlich um Selbstständige und nicht um Scheinselbstständige handelt. Denn die Vermutung, dass auch Firmen Mitarbeiter ausgegliedert haben, die nun als Scheinselbstständige arbeiteten, liege nahe.

Allerdings sei auch die Lebenszeit vieler dieser Kleinstunternehmen recht kurz. Wegen der mangelnden Ausbildung würden sie zum Teil schlechter geführt als alteingesessene Betriebe von Inhabern mit Meisterbrief, sagt Ecker.  

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