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Angeklagte bestreitet die Vorwürfe : Verurteilt: Student wollte Dozenten bestechen

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Aus der Redaktion des Prignitzers

„Es war nur ein Spaß, ein lockerer Spruch“, beteuert Armin K. (Name geändert) jedoch gestern vor dem Landgericht in Frankfurt (Oder). Und von einer Geldzahlung sei sowieso nie die Rede gewesen.

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erstellt am 14.Jan.2015 | 14:00 Uhr

Ein 28 Jahre alter Student soll seinem Studiengangsleiter 500 Euro dafür geboten haben, dass dieser eine Prüfungsnote von „nicht bestanden“ in „bestanden“ ändert. „Es war nur ein Spaß, ein lockerer Spruch“, beteuert Armin K. (Name geändert) jedoch gestern vor dem Landgericht in Frankfurt (Oder). Und von einer Geldzahlung sei sowieso nie die Rede gewesen, als er im März 2011 das Büro seines Studiengangsleiters aufsuchte, um über ein bevorstehendes Fußballturnier zu sprechen. Dort hätten noch unbenotet die Klausuren im Fach Mikroökonomie auf dem Tisch gelegen, und so habe er jenen 40 Jahre alten Mann, mit dem er sich duzt, scherzhaft gefragt, ob er noch etwas korrigieren dürfe. Dann habe man das mit dem Turnier klargemacht und sei auseinandergegangen, ohne später auf die am Ende nicht bestandene Klausur zurückzukommen.

So lautet die Version des Viadrina-Studenten Armin K. zu jenen Ereignissen, die ihm in erster Instanz vor dem Amtsgericht eine drakonische Strafe beschert haben. Zu sechs Monaten Haft auf Bewährung ist er verurteilt worden. Denn nach Auffassung des Gerichts hatte sich die Sache anders abgespielt.

Nun also die Berufungsverhandlung. Es geht um viel für den jungen Mann auf der Anklagebank, dennoch ist er allein erschienen, ohne anwaltlichen Beistand. Aber der angehende Ökonom tritt sicher auf, selbstbewusst, aber höflich erklärt er seine Sicht auf die Dinge. Ergreift er während der Verhandlung doch mal das Wort, obwohl er nicht dran ist, erklärt ihm Richter Dirk Kreckel nachsichtig die Gepflogenheiten vor Gericht.

Einziger Zeuge im Verfahren ist jener Studiengangsleiter. Seine Erinnerungen sind vage. Zu Zeitpunkt und Ablauf des fraglichen Gesprächs in seinem Büro könne er nichts sagen, erklärt der Uni-Mitarbeiter. „Es ist lange her, aber er hat eindeutig gesagt, dass er mir 500 Euro gibt, wenn ich die Note ändere.“ Seine Antwort an den Studenten: „Hör auf mit dem Quark, du hast doch die Möglichkeit, die Prüfung zu wiederholen.“ Ob er den Eindruck hatte, dass der Bestechungsversuch ernst gemeint war, will Richter Keckel wissen. „Gute Frage“, antwortet der Studiengangsleiter. Dann fügt er hinzu: „Meine Haltung war: Wir lösen es sportlich und vergessen das Ganze.“

So lief es zunächst tatsächlich. Armin K. studierte weiter, man spielte gemeinsam Fußball, erst gut zwei Jahre später flatterte eine von der Universität gestellte Strafanzeige ins Haus. Der Studiengangsleiter hatte die Uni-Justiziarin informiert. Armin K. sieht sich als Opfer einer Intrige: „Die Uni wollte mich mundtot machen.“ Er liegt damals wie heute mit der Viadrina im Rechtsstreit. Im Zuge eines Wechsels des Studiengangs innerhalb der Uni wollte er sich erbrachte Leistungen anerkennen lassen. Dafür gab es wohl zunächst grünes Licht, dann aber wieder nicht, bis Armin K. sich gegen die Exmatrikulation wehren musste.

Aber warum die Anzeige so spät kam, ist für den Bestechungsvorwurf unerheblich. Richter Keckel zweifelt nicht an den Aussagen des Studiengangsleiters, stuft die Sache aber als minderschweren Fall ein und reduziert das Strafmaß drastisch. Der Angeklagte muss 1350 Euro Strafe zahlen, gilt damit nicht als vorbestraft. Armin K., der inzwischen in Berlin Mathe studiert, verlässt erleichtert das Gericht.

 

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