ugendbetreuer stürzt vom Dach : Versteckspiel mit tödlichem Ausgang

Besucher müssen sich am Haupttor melden. Der Presse wird der Zugang zum Privatgrundstück verwehrt.
Besucher müssen sich am Haupttor melden. Der Presse wird der Zugang zum Privatgrundstück verwehrt.

Die Polizei geht von einem Unfall aus. Der Fall ruft Erinnerungen an den Sommer 2014 wach: Damals ist in der Anlage im Barnim ein Kind tödlich verunglückt.

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22. August 2015, 08:00 Uhr

Mitten in der Nacht zum Freitag kommen sie auf die folgenschwere Idee: Die neun Betreuer, die mit einem Potsdamer Verein in die EJB am Werbellinsee gekommen sind, wollen Verstecke spielen. Dafür suchen sie sich ein leerstehendes Schulgebäude auf dem Gelände aus. Eigentlich sind die Fenster vernagelt, doch die jungen Erwachsenen verschaffen sich Zutritt.

So hat sich aus Sicht der Polizei der zweite Todesfall innerhalb von zwei Jahren im EJB angebahnt – vielen besser bekannt als ehemalige Pionierrepublik „Wilhelm Pieck“. Kurz nach Mitternacht dann sei es zum Unglück gekommen: Ein Mitglied der Gruppe – ein 20-jähriger Auszubildender, der nach unbestätigten Angaben in Fredersdorf-Vogelsdorf (Märkisch-Oderland) gewohnt hat – betritt ein Zwischendach und stürzt von dort drei Stockwerke in die Tiefe.

Eine Ärztin, die sich in der Gruppe befindet, kann zwar erste Hilfe leisten und schnell die Rettungskräfte benachrichtigen, doch die Verletzungen des Verunglückten sind zu schwer: Wenige Stunden später stirbt er im Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn, wohin ihn ein Rettungshubschrauber transportiert hatte. Körperlichen Schaden trägt kein anderes Mitglied der Gruppe davon. Doch ein Zeuge steht unter Schock.

„Der Vorgang stellt sich uns als Unfall dar“, bilanziert Polizeisprecherin Bärbel Cotte-Weiß gestern. Es gebe keine Hinweise auf ein Verschulden Dritter. „Sicherlich werden noch Zeugenvernehmungen vorgenommen, um das Bild rund zu machen“, fügt sie hinzu. Gegenstand weiterer Ermittlungen werde auch ein Tütchen mit einer noch nicht bekannten Substanz sein, das in der Kleidung des Toten gefunden wurde. „Vermutlich Betäubungsmittel“, wie die Sprecherin sagt.

Der Ort des Unglücks, das alte Schulhaus, befindet sich zwar auf demselben Gelände wie die Erholungseinrichtung, ist aber nicht vom Betreiber EJB Werbellinsee GmbH gepachtet. Das gesamte Areal mitsamt Freizeitanlage und leerstehendem Gebäude gehört jedoch derselben Immobilienagentur: der WS Werbellinsee GmbH & Co. KG. Deren Geschäftsführer, Ludwig Steinhauser, sagt, dass es noch keine konkreten Pläne für die Zukunft des Schulhauses gebe. „Es wäre als nächstes mit der Sanierung dran gewesen.“

Steinhauser geht davon aus, dass sich die Gruppe gewaltsam Zutritt zum Gebäude verschafft hat: „Die Türen sind verrammelt mit Brettern, die Dachluke ist verschraubt“, beschreibt er die Situation vor Ort. Polizeisprecherin Bärbel Cotte-Weiß bestätigt das: „Ich bin um das Gebäude herumgelaufen und mir ist völlig schleierhaft, wie man da reinkommen konnte.“

Auch wenn kein Verschulden aufseiten des Betreibers EJB festgestellt werden sollte, geht der zweite tödliche Unfall innerhalb kurzer Zeit doch nicht spurlos an dem Unternehmen vorüber. Im Juni vergangenen Jahres ist ein Zwölfjähriger beim Spielen auf einer Treppe in der Anlage derart auf seinen Hals gefallen, dass er noch am Unfallort gestorben ist. In der Folge sah sich das EJB von Schließung bedroht. Innerhalb von einigen Tagen mussten etliche Mängel beseitigt werden, um das Aus des Veranstaltungsortes zu vermeiden.

Ende des Jahres 2014 blickten die Betreiber noch zuversichtlich in die Zukunft. Auswirkungen auf das Besucheraufkommen habe das Unglück nicht gehabt. Man wolle die Zahl von jährlich rund 100  000 Gästen halten, hieß es. Nun ist erneut ein Besucher der Anlage ums Leben gekommen und die EJB zeigt sich fassungslos. „Wir stehen alle unter Schock“, sagt Sprecherin Mona Berghof.

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