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Potsdam streitet über die Sanierung einer Immobilie : Verlagschef, Villa und erboste Bürger

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Darf man in Potsdam einen öffentlichen Park teilweise einzäunen und privat nutzen, wenn man dafür einen historischen Garten wieder herstellt und eine Villa saniert? Seit einem Jahr wird über diese Frage gestritten.

svz.de von
erstellt am 27.Mai.2015 | 10:00 Uhr

Die Große Weinmeisterstraße in Potsdam ist ein ruhiges Fleckchen Erde. Touristen streifen es allenfalls am Rande, wenn sie zum Belvedere auf dem Pfingstberg oder zur Gedenkstätte im früheren Gefängnis des sowjetischen Geheimdienstes wollen. Das von verschlissenen Planen bedeckte Haus mitten im Grünen fällt kaum auf. Es heißt etwas hochtrabend Villa Schlieffen, hat eine bewegte Geschichte mit Prinzen als Bewohnern und einer Nutzung durch sowjetische Militärs hinter sich und ist heute Mittelpunkt eines Potsdam-typischen Streites.

Oberhalb der Villa Schlieffen, zurzeit vom dichten Grün uralter Bäume verdeckt, liegt die Villa Henckel. Dazwischen befand sich einst ein großer privater Park mit Grotte, Wasserfall, Bach und Teich.

Was einst zusammengehörte, wurde durch den Lauf der Geschichte getrennt: Die Villa Schlieffen war nach 1945 Teil des gesperrten sowjetischen Militärbereiches, die Villa Henckel wurde zu DDR-Zeiten als Pflegeheim genutzt. Letztere und ein kleinerer Teil des Parks fielen nach der Wende der Stadt zu, die es 2004 an den Vorstandschef des Springer-Verlages, Mathias Döpfner, verkaufte. Der machte daraus eine der prächtigsten Immobilien der an Villen wahrlich nicht armen Landeshauptstadt. Zuvor hatte er bereits die Villa Schöningen an der Glienicker Brücke vor dem Verfall gerettet und dort ein viel beachtetes Museum und Ausstellungshaus etabliert.

Die Villa Schlieffen fiel mit anderen, ähnlichen Häusern nach dem Abzug der russischen Truppen an die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Die versuchte jahrelang, einen Nutzer zu finden, der die Häuser herrichtet und kulturell nutzt. Mit der benachbarten Villa Quandt gelang das. Sie beherbergt heute das Fontanearchiv und das Brandenburgische Literaturbüro. Die Villa Schlieffen blieb ein Sorgenkind. Auch für die Wiederherstellung des Parks fehlte der Stiftung das Geld. Im vergangenen Jahr kamen Döpfner und die Stiftung überein, dass der Verlagschef die Villa Schlieffen auf eigene Kosten saniert und als Museum für seine Kunstsammlung nutzt. Darüber hinaus wollte er den verschwundenen Park wieder anlegen lassen, für rund 1,8 Millionen Euro. In einem Interview betonte Döpfner, dass es sich dabei durchaus um ein Geben und Nehmen handele. Er hatte sich von der Stiftung ausbedungen, von den 70  000 Quadratmetern Grünfläche 21 000 Quadratmeter als „Abstandszone“, wie er sagte, zu nutzen. Andernfalls würden die wiederhergestellten Wege nahe an sein Grundstück heranführen und die zurückgeschnittenen Bäume mehr Einblick gewähren, als ihm lieb zu sein scheint.

Als die Anwohner der Großen Weinmeisterstraße erfuhren, dass ein Teil des verwilderten Geländes künftig nicht mehr zugänglich sein sollte, kam es zu Protesten. Die Bürgerinitiative Offener Pfingstberg gründete sich und rief lautstark die Stadtpolitik auf den Plan. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) schalt erst die Stiftung und versprach dann, selbst Gespräche zu führen. Schließlich ist das gesamte Parkareal im Bebauungsplan der Stadt als öffentlich zugängliches Gelände ausgewiesen.

Inzwischen ist die Lage völlig verfahren. Die Stiftung Schlösser und Gärten hat das gesamte Areal mit einem Bauzaun abgeriegelt – um Gefahren durch herabstürzende Äste und Löcher im Gelände abzuwenden, wie es heißt. Jakobs diskutierte nach eigenen Angaben über „optisch unauffällige Zwischeneinfriedungen“, rund um Döpfners Grundstück. Was dieser offensichtlich ablehnte.

Jakobs soll inzwischen angekündigt haben, dass die Stadt den Park auf eigene Kosten wieder herstellt. Ob das nur eine Drohgebärde ist oder ernst gemeint, ist offen. Schließlich ist im Etat kein Geld für die Investitionen und späteren Instandhaltungen vorgesehen. Die Linke will Jakobs jedoch festnageln und auf der nächsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung einen entsprechenden Antrag einbringen. Die CDU erwägt dagegen, den Bebauungsplan zu ändern, so dass Döpfner rechtlich einwandfrei einen Teil des Parkes einzäunen könnte. An der Villa Schlieffen hat der Wind inzwischen Teile der Schutzhülle entführt.

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