Nabu empört : Urteil im Prozess um illegalen Wolfsfang

Wölfe sorgen in Brandenburg für Unruhe.
Wölfe sorgen in Brandenburg für Unruhe.

Gestern wurde vor dem Amtsgericht Zossen über einen spektakulären Fall verhandelt. Die Frage war, ob der Betreiber eines privaten Forstgutes in Teltow-Fläming streng geschützten Tieren nachgestellt hat.

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04. März 2014, 22:50 Uhr

Drei Meter hoch war der Zaun und schlauchartig aufgebaut. Eine Klappe machte die zwei Anlagen, in denen Schafe als mutmaßliche Köder gehalten wurden, zur Falle für Vierbeiner. Aber für wen genau? Für Hunde, beteuert der Angeklagte. Für Wölfe, ist hingegen der Naturschutzbund Nabu überzeugt.

Gestern wurde vor dem Amtsgericht Zossen über den Fall verhandelt. Die Frage war, ob der Betreiber eines privaten Forstgutes in Teltow-Fläming streng geschützten Tieren nachgestellt hat – eine Straftat, die mit hohen Geldstrafen und im Extremfall sogar mit Haft geahndet wird. Eine Gerichtssprecherin sagte im Anschluss an die Verhandlung: „Es war zweifellos eine Fanganlage. Aber ob Hunde oder Wölfe gefangen werden sollten, blieb offen.“ Man habe drei Gutachter gehört, die zu unterschiedlichen Schlüssen gekommen seien. Um die Schuldfrage zu klären, hätte es demnach weiterer Beweise bedurft. Den Aufwand dafür sah das Gericht als zu hoch an, und so wurde das Verfahren auf Vorschlag der Vorsitzenden gegen die Zahlung einer Geldauflage eingestellt. „Es wurde keine Schuld festgestellt“, betonte die Gerichtssprecherin. Der Forstgutbetreiber habe sich lediglich zur Zahlung von 2000 Euro an das Tierheim Zossen verpflichtet.


Naturschützer sind aufgebracht


Markus Bathen, Nabu-Wolfsexperte, zeigte sich über diese Entscheidung empört. Er hält die Schuld des Angeklagten für erwiesen. „Hätte er es auf Hunde abgesehen, hätte er Chappi ausgelegt und nicht lebende Schafe in die Anlage gesetzt“, argumentiert er.

Der Betreiber der Anlage verwies hin auf eine nahegelegene Husky-Zucht. Er habe verhindern wollen, dass von dort Hunde auf das Gut laufen und seine Wildbestände gefährden. Auf der Anlage werden unter anderem Rothirsche und Mufflons gehalten. Der Nabu berichtet indes, dass das Vorkommen von Wölfen in der betreffenden Region seit 2007 belegt sei. Ein illegal erschossener Wolf sei in der Gegend ebenfalls entdeckt worden. Auch deshalb ist Bathen überzeugt: „Mit der Fanganlage sollten störende Wölfe beseitigt werden.“ In dem Bauwerk hätten sich die Erfahrungen aus historischen Wolfsfanganlagen mit neuesten Erkenntnissen über die dafür notwendigen, für Wölfe unüberwindbaren Zäune, vereinigt. „Der Zaun war entsprechend der Schutztechnik für Herdenschutz gegen Wölfe mit einem Untergrabungsschutz versehen.“

Bathen kritisiert die Entscheidung des Gerichts, gegen die keine Berufung eingelegt werden kann, auch deshalb, weil der Gutsbetreiber auch gegen den Tierschutz sowie gegen Jagd- und Forstrecht verstoßen habe. Es sei verboten, bei der Jagd lebende Tiere als Köder zu verwenden. Außerdem sei die Fanganlage auch für die Verfolgung wilder Hunde unzulässig. Dennoch sieht der Experte ein positives Signal. „Der Prozess zeigt, dass Wolfsfanganlagen schnell entdeckt und Gesetzesverstößen nachgegangen wird.“
Thema in der Verhandlung war auch, welche Gefahr für das Wild auf dem Gut von den Wölfen ausgeht. An dieser Stelle sind sich alle Beteiligten einig, dass die Mufflons dem Raubtier schutzlos ausgeliefert sind. Sie wurden aus Korsika eingeführt und sind darauf konditioniert, bei Gefahr auf steile Hänge zu flüchten, die es in Brandenburg aber nicht gibt. „Ja, der Wolf könnte Muffelwild verdrängen“, räumt der Nabu-Experte ein. Aber die Prioritäten seien hier vom Gesetzgeber klar gesetzt: „Während das Muffelwild eingeführt wird, gehört der Wolf traditionell nach Brandenburg.“

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