Grabungen an der A11 : Urnenfeld weicht Wasserbecken

Der Fund ist nach Angaben des Landesamtes für Denkmalpflege gut dokumentiert.
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Der Fund ist nach Angaben des Landesamtes für Denkmalpflege gut dokumentiert.

Bei Untersuchungen an der A11 fanden Archäologen ein Gräberfeld / Geplantes Rückhaltebecken soll nun trotzdem dort gebaut werden

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12. Juli 2015, 15:21 Uhr

Ein uralter Kultplatz mit Urnengräbern und Steinpflastern liegt in der Nähe von Schmölln (Uckermark). Trotz dieses bedeutenden Fundes soll die Fläche nun mit einem Rückhaltebecken für Regenwasser bebaut werden. Beginn der Bauarbeiten werde voraussichtlich im Frühjahr 2016 sein, sagte Kulturministerin Sabine Kunst in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage. Der Fund ist nach Angaben des Landesamtes für Denkmalpflege (BLDAM) gut dokumentiert worden. In Schmölln sollen nun ein Großsteingrab und Informationstafeln daran erinnern.

Im vergangenen Jahr hatten Archäologen das Feld bei Voruntersuchungen für Bauarbeiten an der Autobahn 11 entdeckt. Die Urnengräber waren meist mit Steinen bedeckt. Diese waren zu Kreisen zusammengelegt, die einen Durchmesser zwischen einem bis acht Metern hatten. Es gibt weitere Formationen aus Zehntausenden von Feldsteinen, die geradlinig verlaufen – die längste Steinsetzung erstreckt sich über mehr als 100 Meter. In den Gräbern fanden die Archäologen Knochen von Menschen und Tieren sowie 39 Urnen. Die Funde stammen aus der vorrömischen Eisenzeit, die den Zeitraum von etwa 500 Jahren vor Christus bis zu dessen Geburt umfasst.

„Wir haben gute Dokumentationen und können jederzeit nachvollziehen, wie der Fundort aussah“, sagte der Sprecher des Landesdenkmalamts, Christof Krauskopf. Obwohl sich die Ausgrabung als große Sache entpuppt habe, sei das jetzige Bauvorhaben aber nicht mehr zu stoppen, sagte er mit Verweis auf Angaben des Landesbetriebs Straßenwesen. „Aus Gründen der Topographie und Hydrologie war eine Verschiebung dieser Anlage nicht möglich“, erläuterte Ministerin Kunst.

„Wir bemühen uns nach Kräften, den Fund weiter zu erforschen“, sagte Krauskopf. Wie umfangreich die Untersuchungen sein werden, hänge vom Geld ab. Bislang stünden nur Mittel für die Bergung und Dokumentation bereit. Das Denkmalamt bemühe sich aber um zusätzliches Geld, mit dem man unter anderem auch DNA-Analysen finanzieren könne, wenn das Knochenmaterial gut genug erhalten ist. Da eine Doktorarbeit zu dem Fund geplant ist, seien detaillierte Ergebnisse zu erwarten.

Nach Angaben des Bürgermeister von Randowtal Axel Krumrey (Linke) sind erste Pläne einer Ausstellung in einer ehemaligen Kaufhalle im Ortsteil Schmölln vom Tisch. Vorgesehen sei nun, ein Großsteingrab und einen Steinkreis vom Fundort auf einem zentralen Platz im Dorf zu rekonstruieren. Auf vier Schautafeln sollen Besucher sich über die Kultstätte informieren können. „Es ist eine Art Zwischenpräsentation“, erläuterte Krumrey. Darüber hinaus stehe langfristig auch eine größere Ausstellung im Raum. Das Landesdenkmalamt wolle diese dann durch fachliche Expertise unterstützen, ergänzte Krauskopf.

Wann mit ersten Untersuchungsergebnissen aus dem Denkmalamt zu rechnen ist, sei noch unklar. Eine Ausgrabung nehme erfahrungsgemäß ein Fünftel der Zeit in Anspruch. Die restliche Arbeit finde am Schreibtisch und im Labor statt. Die Grabung dauerte 25 Wochen.

Vergleichbare Gräberfelder sind laut Ministerin Kunst aus Wartin-Grünz (ehemaliger Kreis Randow), Mühlen-Eichsen (westliches Mecklenburg-Vorpommern) und Groß Timmendorf (Ostholstein) bekannt. Für Brandenburg sei der Fundplatz von landesgeschichtlicher Bedeutung, da hier Gräberfelder in dieser Größe und dem Erhaltungszustand bislang sehr selten sind.

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