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Kriminalität : Unerwünschter Fluchtweg

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

ie Bahn hat die Eisenbahnbrücke vor Jahren stillgelegt. Betrieb herrscht auf der eisernen Verbindung nach Polen aber dennoch – sie wird von Dieben und Einbrechern als Fluchtweg genutzt.

Über die alte Neißebrücke im Süden von Guben ist schon lange kein Zug mehr gerollt. Die Bahn hat die Eisenbahnbrücke vor Jahren stillgelegt. Betrieb herrscht auf der eisernen Verbindung nach Polen aber dennoch – sie wird von Dieben und Einbrechern als Fluchtweg genutzt. „Sogar Landmaschinen sind dort schon rübergebracht worden“, sagt Stadtsprecherin Susann Winter.

Weil die marode Brücke relativ im Verborgenen liegt, biete sie Kriminellen eine gute Rückzugsmöglichkeit. Ein Bauzaun, der den Zugang zur Brücke versperren soll, hat sich als wenig hilfreich erwiesen. Zugleich ist die Polizei oftmals machtlos – die unübersichtliche Gegend ist schwer beherrschbar. „In den letzten zwei Jahren hat sich das Problem deutlich verschärft“, beklagt Winter.

Für die Laubenpieper, die in den Kleingartenanlagen ihre Sommer verbringen, liegt das Problem direkt vor der Haustür. Immer wieder berichten sie von Einbrüchen. Im Schutz der Dunkelheit verschwinden schwere Kaminöfen ebenso wie Bohrmaschinen, Radios oder einfach nur Verlängerungskabel.

Aktuell geht die Zahl der Einbrüche in Gubener Gartenlauben deutlich nach oben. Im vergangenen Jahr zählte die Polizei um die 50 Einbrüche. In diesem Jahr war diese Zahl schon Ende April deutlich überschritten. Inzwischen registriert die Polizei auch zunehmend Überfälle in der Nähe der alten Brücke. Die Opfer bleiben verdutzt zurück, die Täter entkommen über die Neiße. Doch nun können die Gubener auf Abhilfe hoffen. Bürgermeister Fred Mahro sei dieser Tage nach Berlin gereist, um die Situation mit der Bahn zu besprechen, berichtet Winter. Die Bahn habe zugesichert, die alte Eisenbahnbrücke zeitnah besser zu sichern.

Inzwischen kommen auch aus Potsdam hoffnungsvolle Nachrichten für die Neißestädter. Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) hat der Stadt ein Präventionsprojekt mit finanzieller Unterstützung des Landes angeboten, teilte das Ministerium gestern mit. Ein ähnliches Sicherheitsprojekt läuft bereits in Neuenhagen. Dabei geht es in erster Linie um Maßnahmen zur Verhinderung von Einbrüchen – etwa um den Einsatz sogenannter künstlicher DNA zur Markierung von Wertgegenständen.

Die Methode ist allerdings nicht unumstritten. Auf einem Forum zur Grenzkriminalität in Guben berichtete der Inhaber eines Autohauses dem Innenminister erst kürzlich, dass er bereits 16 Mal ausgeraubt worden sei. Selbst vor eingelagerten Kundenreifen mit DNA-Signatur würden die Täter nicht Halt machen.

Zuletzt hatte die Stadt eine Petition gestartet, in der sie von der rot-roten Landesregierung einschlägige Maßnahmen gegen Grenzkriminalität fordert. Im Kern geht es dabei um mehr Polizeipräsenz in der Stadt. Zudem soll das Land einen Hilfsfonds einrichten, um von Diebstahl betroffene Unternehmen finanziell unterstützen zu können.

Von Jahresbeginn bis Ende Mai wurden 1049 Straftaten in Guben polizeilich bekannt; im Vorjahreszeitraum waren es 940 Fälle. Laut Innenministerium handelt es sich überwiegend um Diebstähle aller Art. Hinzu kommen mehrere Raubstraftaten, bei denen Einwohner verletzt wurden. Ihm sei „sehr wohl bewusst, welche besonders schwerwiegenden Auswirkungen gerade die Raubstraftaten der vergangenen Monate auf das Sicherheitsempfinden in Guben gehabt haben“, sagt Innenminister Holzschuher. Das vorgeschlagene Projekt könne für die Stadt und die Sicherheit der Bürger „eine große Chance“ sein.

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