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Billiger als Deichbauten: : Umzug ist bester Flutschutz

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach den Überflutungen an Elbe, Donau und Saale im Sommer 2013 haben Wissenschaftler der Universität Potsdam gestern zu einer neuen Debatte über Umsiedlungen von Hochwasser betroffener Ortschaften aufgerufen.

Nach den Überflutungen an Elbe, Donau und Saale im Sommer 2013 haben Wissenschaftler der Universität Potsdam gestern zu einer neuen Debatte über Umsiedlungen von Hochwasser betroffener Ortschaften aufgerufen. Bislang seien nur die Orte Röderau-Süd in der Nähe von Dresden und das an der Donau gelegene Isarmünd wegen Hochwassergefahr umgesiedelt worden.

In beiden Fällen war der technische Schutz der Ortslagen durch Deichbauten so teuer, dass die Umsiedlung den kostengünstigeren Weg darstellte. „Wenn die Bevölkerung einzelner, kleiner Stadtteile hinter der Umsiedlung steht, sollte die Politik dafür einen Weg der Finanzierung finden“, so die Professorin für Geografie und Naturrisikenforschung, Annegret Thieken.

Die Wissenschaftlerin leitete in den vergangenen Monaten ein mit 330  000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstütztes Projekt zur Erforschung von Konsequenzen aus den Flutkatastrophen der Jahre 2002 und 2013. Thieken und der Geschäftsführer des Deutschen Komitees Katastrophenvorsorge, Axel Rottländer, plädierten dafür, die Zeit bis zum nächsten Hochwasser für eine bessere Aufklärung und Vorsorge zu nutzen.


Kein Thema in der Prignitz


„Umsiedeln steht für uns nicht zur Debatte“, reagiert Erich Schlotthauer, Sachbereichsleiter Katastrophenschutz im Landkreis Prignitz. Der Vorschlag sei weder neu, noch habe er Relevanz für die Prignitz. Millionen Euro werden in den Hochwasserschutz investiert, „da sprechen wir nicht über Umsiedlung“, so Schlotthauer. Volkswirtschaftlich mag diese Idee tragbar sein, „aber sie stammt von Leuten, die keinen regionalen Bezug haben“. Der Kreis war an der Studie nicht beteiligt.

In Deutschland lebten zehn Prozent der Bevölkerung in einem Gebiet mit Hochwasserrisiko. 70 Prozent dieser Menschen hätten sich über die Hochwassergefahr informiert, aber nur 30 bis 40 Prozent Schutzmaßnahmen ergriffen. Dabei sei Manches eigentlich Selbstverständlich: „Wer in einem gefährdeten Gebiet lebt, sollte in eine hochwassergeschützte Heizungsanlage investieren“, sagte Thieken. Öltanks könnten für 3  000 Euro vor Hochwasser geschützt werden. „Das rentiert sich schon nach einer Überflutung“, so die Wissenschaftlerin. „Wenn ein Öltank bei einem Hochwasser zerstört wird, kann der Schaden in die Hunderttausende gehen.“

Auch sollten Anwohner, deren Häuser hochwassergefährdet sind, keine Sauna und kein Arbeitszimmer mit wichtigen Unterlagen in ihren Kellern errichten. „Keller sollten nur so genutzt werden, dass sie schnell geräumt werden können.“ Bei der Konzeption von Hochwasserschutzmaßnahmen sollte auch die Bevölkerung besser und stärker von den Behörden einbezogen werden. „Lokale Interessen, Erfahrungen und Kenntnisse sollten in die Schutzmaßnahmen einfließen“, so Thieken.

Gestoppt werden sollten nach Ansicht der Wissenschaftler dagegen sämtliche Neubauprojekte in Gefahrenzonen. „Es geht darum, das Schadenspotential zu reduzieren“, sagte Thieken. Alle Bundesländer hätten potentielle Überflutungsgebiete ausgewiesen. Unter bestimmten Ausnahmeregelungen seien aber immer noch Bauten möglich. „Diese Ausnahmen gehören auf die Waagschale“, so Thieken. Sie sollten gestrichen werden. „Denn auch weiterhin gilt: Hochwasser sind natürliche Ereignisse – Hochwasserschäden aber sind es nicht.“


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