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Behandlungsfehler : Über 600 Ärztefehler in der Region

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Es gibt viel Ärztepfusch – nicht nur in Brandenburg und Berlin.

Falsche Diagnosen, schlampige Übergaben oder verzögerte Notoperationen: In mehr als 630 Fällen sind Patienten in Berlin und Brandenburg im Jahr 2013 erwiesenermaßen fehlerhaft behandelt worden. Das entspricht fast 40 Prozent der über 1600 Fälle, in denen der Medizinische Dienst des Krankenversicherung (MDK) Berlin-Brandenburg im Vorjahr ein Gutachten zu möglichen Behandlungsfehlern erstellte. Im Bundesvergleich wird nur ein Viertel der Verdachtsfälle bestätigt.

Bundesweit wie auch in Berlin und Brandenburg steigt die Zahl der angefragten Gutachten jedes Jahr um etwa 17 Prozent. „Aber die Quote der bestätigten Behandlungsfehler liegt bei uns seit Jahren zwischen 35 und 40 Prozent“, sagte MDK-Geschäftsführer Axel Meeßen gestern in Berlin. Ein Grund dafür? „Wir haben ein sehr ausgefeiltes Qualitätsmanagement“, sagte MDK-Begutachtungsexperte Michael Schmuck. In 28 Prozent der untersuchten Fälle war außerdem ein direkter Zusammenhang zwischen der Behandlung und körperlichen Problemen nachzuweisen.

Die meisten Fehler passierten in den Fachgebieten Orthopädie (214) und Unfallchirurgie (88). Besonders hoch war die Quote bei den 113 Vorwürfen im Bereich Zahnheilkunde: In mehr als der Hälfte der Fälle (59) lag tatsächlich ein Behandlungsfehler vor. „Vor allem Wurzelkanalbehandlungen können sehr kompliziert sein“, sagte Schmuck.

In anderen Fällen handelt es sich um Nachlässigkeit bei Routineverfahren. Etwa im Fall der 27-Jährigen mit einer Eileiterschwangerschaft in der 7. Woche. Hier wurde unzureichend geprüft, ob die erste minimalinvasive OP überhaupt erfolgreich war. Die Folge: Der Embryo im Eileiter wuchs weiter, eine zweite Not-Operation wurde nötig – mitsamt Entfernung des Eileiters. Noch schlimmer traf es eine 39-Jährige mit Bandscheibenproblemen. Als nach einer Wirbelsäulen-OP ihre Beine taub blieben, war der Belegarzt, der sie operiert hatte, nicht mehr zu erreichen. Aber auch die Klinikärzte griffen zu spät ein. Trotz Not-OP am nächsten Tag ist die Frau heute so gut wie querschnittsgelähmt. „Aber aus solchen Fällen kann man lernen“, sagte Meeßen. Deshalb will der MDK über besonders verbreitete oder folgenschwere Fehler künftig verstärkt die Ärzte informieren.

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